Skaten macht Schule

e-volution. Wie uns die digitale Welt verändert (Ausgabe III/2010)


Rollen rauschen, Bretter klackern: Bis zu 60 afghanische Kinder trainieren auf Halfpipes, Rampen und Bahnen. Das ist „Skateistan“, Afghanistans erste Skateboardschule, gegründet vom Australier Oliver Percovich.
Mit sechs Jahren entdeckte er selbst seine Leidenschaft zum Brett. 2007 nahm er es mit, als er seine Freundin, eine Entwicklungshelferin, in der afghanischen Stadt Kabul besuchen wollte. Ein verlassenes Schwimmbad bot ideale Bedingungen für seinen Sport. Schnell versammelten sich Kinder und Jugendliche und beäugten neugierig Olivers Repertoire an Skate-Tricks. Der Aus-tralier ließ die Kinder sein Board ausprobieren. Angetrieben von ihrer Begeisterung organisierte er einige Skateboards und knüpft an seinen Unterricht inzwischen Bedingungen. Jungen und Mädchen, die aufs Brett wollen, müssen auch zur Schule gehen oder Kurse zur Gesundheitsvorsorge besuchen.

Einen Funsport mit zivilgesellschaftlichem Aufbau zu verbinden, fand schnell Anhänger. Das Auswärtige Amt sowie die Botschaften von Kanada und Norwegen unterstützten den Bau einer Skatehalle mit angrenzenden Unterrichtsräumen. Inzwischen gibt es weitere Anfragen aus Malaysia, Ost Timor, Brasilien oder Gaza, doch bislang ist das Projekt zu klein, um international werden zu können. Der nächste Schritt der Macher ist die finanzielle Unabhängigkeit durch eine eigene Produktlinie mit Skateistan-Logo.



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