Playlist | Kanada & Grönland

Der Sound der Inuit

Rauer Gesang, naturverbundene Texte, Liebeslieder oder einfach mal ordentlicher Rock: die Inuit-Playlist der kanadischen Musikerin Elisapie Isaac
Eine Frau mit großen roten Ohrringen schaut in die Kamera

Musikerin Elisapie Isaac

Team der Hunde

Mit seiner rauen Art zu singen, beschönigt Etulu nichts. Wie er seine Geschichten erzählt, darin erinnert er mich ein wenig an Johnny Cash. „Du warst einst ein Inuit, ein starkes Wesen, was ist nur aus dir geworden?“, heißt es in „Qimusipakkaluaravit“. Etulu fragt, was von unseren Wurzeln geblieben ist, vom einst furchtlosen Volk der Jäger, die mit ihren Hundeschlitten allen Widrigkeiten trotzten. Wo sind unser Mut und unsere Tapferkeit geblieben?

Etulu Etidloie: „Qimusipakkaluaravit“, 1978, neu erschienen 2023

 

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Eisvolk

Mit seinem speziellen Country- Stil und seinen Storys über die Inuit und die Freuden des Lebens haben Charlie Adams und seine Band Sikumiut unser Volk auf der Weltbühne des Pop repräsentiert. In dem Lied, das wie die Band heißt, geht es um junge Leute in den sogenannten Residential Schools, christliche Internatsschulen, in die man in Kanada indigene Kinder schickte, um sie von ihren Familien und ihrer Kultur zu trennen. Trost fanden die Jugendlichen im Rock ’n’ Roll. Es ist ein unbeschwerter, lustiger Song: „Wir versammeln uns und feiern eine Party, kommt alle her, es ist Zeit!“

Sikumiut: „Sikumiut“, Anfang der 1970er Jahre, wieder veröffentlicht 2016

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Ich habe es versucht und gebe nicht auf

Mein Onkel George Kakayuk war Leadsänger von Sugluk, einer Rockband aus Salluit, Québec, und als junges Mädchen durfte ich sogar mit ihnen auf die Bühne. In „Ajuinnarasuarsunga“, einem Liebeslied ohne jegliche Poesie, ist die Verzweiflung meines Onkels zum Greifen. Er spricht davon, dass er, die arme Seele, nichts hat, jetzt, wo seine Liebe weg ist. Aber obwohl sie ihn verlassen hat, bleibt die Verbindung bestehen. Bei aller Traurigkeit finde ich den Song doch auch sehr schön, weil Inuit-Männer ihre Verletzlichkeit im Allgemeinen nicht zeigen. Es geht also darum, dass ein Inuk sagen will, wie er sich wirklich fühlt.

Sugluk: „Ajuinnarasuarsunga“, 1975, wieder veröffentlicht 2016

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Robbenjagd

Pamuya, gegründet 1995 in Anchorage, Alaska, verbinden auf wunderbare Weise traditionelle Sounds und Gesänge der Inuit mit Elementen des Funk, Soul, Jazz und Gospel. In ihren Texten geht es teils um Mythisches, etwa Geschichten über Tiere, Adler, Raben, Killerwale und Wölfe, mit denen sich verschiedene Clans identifizieren. Sie singen auf Englisch und in einem Dialekt, den ich nicht verstehe. Oft sind es sehr alte Formen alaskischer Inuit-Gesänge; neben Gitarre, Keyboard und Schlagzeug verwenden sie traditionelle Instrumente wie die Cauyaq-Trommel.

Pamyua: “Seal Hunt” (Version A), 2012

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Du bist so liebevoll

So richtig habe ich Rasmus Lyberth dieses Jahr entdeckt. Ich war schon oft in Grönland und habe jetzt erst festgestellt, dass er nicht nur ein Sänger, sondern auch ein prominenter Schauspieler und Dichter ist, ein Multitalent, so etwas wie der Leonard Cohen Grönlands. Bei ihm rührt mich, wie er, in unterschiedlichen Besetzungen, mal mit einer Jazz-Band, mal im Schlagerstil, immer wieder auf elegische Weise die Verbundenheit und Liebe zu seiner Heimat besingt.

Rasmus Lyberth: „Asanaqiga- vit/Du er Så Kærlig“, 2006

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Frühling

Sume, die in den 1970er-Jahren Furore machten, dürfte die bekannteste Rockband Grönlands sein und auch die politisch engagierteste der Insel, die zwar selbstverwaltet ist, aber zu Dänemark gehört. Wenn Inuit- Motive verwendet werden, stehen sie exemplarisch für den Wunsch vieler Grönländer, die kulturelle und sprachliche Eigenständigkeit zu bewahren. „Der Frühling kommt“, heißt es in „Upernaaq“, „es wird wärmer, ich weiß, dass es besser wird, die Dinge werden besser, ich weiß es. Da ist die Sonne, sie steht allein am Himmel. Von nun an werde ich da sein.“

Sume: „Upernaaq“, 1973, auf CD erschienen 1988

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Stiller Inuit

Willi Thrasher singt nicht auf Inuktitut, weil er seine Sprache verloren hat, als er ins Internat gesteckt wurde. In „Silent Inuit“ ist jedoch eine Mädchenstimme im Hintergrund zu hören, die simultan aus dem Englischen ins Inuktitut übersetzt. Der Song handelt vom Leiden, der Heimatlosigkeit eines Inuks, der in die große Stadt kommt. Er „reist mit dem Wind, schläft beim Mond, träumt von einem Land, in dem junge Männer sein können. Das Land der Mitternachtssonne.“ Thrasher hat mich in meiner Entwicklung als Singer- Songwriterin besonders stark beeinflusst, immer wieder hörte ich seine Musik im Radio. Irgendwann habe ich ihn kennengelernt und schließlich auch sein Lied „Wolves Don‘t Live By The Rules“ gecovert.

Willie Thrasher: “Silent Inuit”, 1981

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Rabe

Nive Nielsen, geboren 1979 in grönländischen Hauptstadt Nuuk, verbindet Einflüsse aus Folk und Indie, eine traumhaft-melancholische Grundstimmung zieht sich durch ihre Lieder. Ihr erstes Album hat John Parish mit produziert, bekannt durch die Zusammenarbeit mit PJ Harvey. „Tulugaq“ bedeutet Rabe, und in dem Lied singt sie davon, wie der Vogel über den Gebirgszügen schwebt und sie sich vorstellt, bei ihm zu sein.

Nive Nielsen & The Deer Children: „Tulugaq“, 2015

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Schönes Licht

Ähnlich melancholisch wie Nive Nielsen, aber poppiger, klingt die junge kanadische Singer-Songwriterin, die 2017 ihr Debüt hatte. Riit verbindet einen sanften elektronischen Sound mit eingängigen und teils hymnischen Melodien. „Quamajuapik“ handelt davon, sich mit jemanden durch sein inneres Leuchten zu verbinden.

Riit: „Quamajuapik“, 2019

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Wir beide

Die Band, die 1985 ihr erstes Album herausbrachte, stammt aus Igloolik ganz im Norden Kanadas. „Uvaguk“ ist eine weitere Liebeserklärung an die Gemeinschaft der Indigenen und ihr Land. Der Song handelt von Freundschaft – und davon, dass wir zusammenhalten müssen. Als ich ihn zum ersten Mal hörte, versetzte er mich in meine Kindheit zurück.

Northern Haze: „Uvaguk“, 1986

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