Sehen und gesehen werden

Wir haben die Wahl. Von neuen und alten Demokratien (Ausgabe III/2008)


Nach dem Sturz der Taliban 2001 wurde im Westen viel über die Lage der Frauen in Afghanistan geschrieben. Für die Bebilderung der Berichte kommt bis heute oft nur die vor 24 Jahren in Kabul geborene Farzana Wahidy in Frage. Nach wie vor können auch heute Frauen in Afgahnistan in ihren privaten Räumen nur von Frauen und nicht von Männern besucht werden. Wahidy arbeitet als eine der wenigen afghanischen Fotoreporterinnen für westliche Medien. Zu Beginn ihrer Berufskarriere spielten ihre männlichen Verwandten eine große Rolle. Bei ihrem ersten Auftrag für die britische Sunday Times, den ihr die Fotoagentur Aina vermittelte, die seit 2001 Frauen und Männer zu Fotojournalisten ausbildet, begleitete sie ihr Onkel.

Ohne ihn hätte sie den Auftrag ablehnen müssen. Die Reportage handelte von einem zwölfjährigen Mädchen, welches von seinem Vater verkauft werden sollte. Um es zu fotografieren, musste Wahidy, damals selbst gerade 18, ein Dorf an der Grenze zum Iran besuchen. Zu jener Zeit war es Frauen noch untersagt, allein zu reisen. Neben ihrem Onkel wurde sie meist von ihrem Vater begleitet. Mittlerweile reist sie auch allein durch Afghanistan. Immer wieder kommt es vor, dass Menschen sie auf offener Straße anpöbeln und sie für ihre Arbeit kritisieren. Denn würde ihr beim Arbeiten etwas zustossen, wäre das für ihre Familie beschämend. Trotz dieser Kritik zweifelt Wahidy nicht an der Richtigkeit ihrer Tätigkeit. Sie hat ein starkes Bewusstsein ihrer Verantwortung den Afghaninnen gegenüber. Wahidys Meinung nach sollten sie nicht länger warten, sondern ihre Rechte verlangen, studieren und auch gefährliche Berufe ausüben. In ihrer Heimat gilt sie aufgrund dieser Einstellung vor allem unter jungen Frauen als Vorbild.



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