Hört, hört!

Nikola Richter

Was vom Krieg übrig bleibt (Ausgabe I/2007)


Stellen Sie sich jetzt bitte vor, dass weltweit etwa 30 Millionen Menschen Chinesisch lernen. Diese Zahl hat das chinesische Bildungsministerium 2006 bekannt gegeben. 370.000 Lernende haben schon das HSK, das chinesische Sprachzertifikat, bestanden. Falls Sie noch auf den Zug aufspringen wollen, gibt es jetzt ein Helferlein: Die Publikation „Everyday Chinese“ kommt in einer rotleinenen, goldbedruckten Buchbox daher, die wundersame Dinge enthält: ein Dialog-Lehrbuch von der Begrüßung bis zum Arztbesuch, drei CD-Roms und einen dicken roten Stift. Drückt man bei diesem auf den Knopf, stellt eine angenehme männliche Stimme das Lehrwerk vor, auf Chinesisch und auf Englisch. Dann schweigt sie. Nun bewegen Sie den Stift über die Sätze im Lehrbuch und er liest Ihnen auf Chinesisch vor. Die englische Übersetzung und die phonetische Umschrift Pinyin können Sie im Stillen mitlesen. So oft Sie wollen? Bis Ihr Smalltalk auf Chinesisch brilliert? Leider nicht ganz. Denn die mitgelieferte Batterie macht schnell schlapp. Ein weiteres Manko: Der Stift bleibt stumm, wenn er im China-Restaurant die Karte vorlesen soll. Er spricht nur die programmierten Sätze aus dem Lehrbuch. Das aber gehört nun wirklich nicht auf den Restauranttisch. Während Sie Ihre Wan-Tan-Suppe löffeln, könnten Sie stattdessen darüber nachdenken, was die Chinesen noch erfunden haben: tickende Wasseruhr, Hartporzellan, Streichhölzer. Vielleicht bekommen Sie damit auch das Batteriefach auf.

Everyday Chinese über www.hanyu900.com



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