Einzug nach Ägypten?

Toleranz und ihre Grenzen (Ausgabe III/2007)


Doch nur scheinbar ist dieses Reisebegehren moralisch oder politisch korrekt. Es ist vielmehr unverantwortlich. Würde nämlich die fragile Kalksteinbüste zum Objekt der Event-Begierde, würde es bald um sie stehen wie um ihren Stiefsohn Tutanchamun aus dem Louvre.
Ingeborg Ruthe in BERLINER ZEITUNG vom 16.04.2007

Die Mehrheit am Nil hat zwar eigentlich andere Sorgen als die schöne Nofretete, sie hält sowieso wenig von den „alten Steinen der Pharaonen“. Aber wenn Hawass [Leiter der Antikenverwaltung] die Rückgabe geraubter und illegal ausgeführter Schätze verlangt – dazu gehören auch der Rosetta-Stein und der Sphinx-Bart aus London – dann trifft er damit bei vielen Ägyptern einen empfindlichen Nerv. Und man erinnert sich dort an die verhasste Kolonialzeit, als ausländische Diplomaten, Grabräuber und Abenteurer mit den ägyptischen Kunstwerken einen regelrechten Handel betrieben.
Samir Greer, in DIE TAGESZEITUNG (Berlin) vom 26.04.2007

Außer öffentlichen Druck zu erzeugen, kann Ägypten kaum etwas tun, um ein zeitweiliges Überlassen von Artefakten zu erreichen. Hawass hat die UNESCO um Unterstützung bei der Rückführung gebeten. Eine andere Möglichkeit wäre, die Gerichte der Länder anzurufen, wo die Artefakte sich befinden – aber das würde kostspielige juristische Gefechte mit ungewissem Ausgang bedeuten.
Setarreh Massihzadegan in DETROIT FREE PRESS vom 13.05.2007

Vielleicht hätten die Berliner ja erst nachdenken und dann antworten sollen. Denn inzwischen geht es nicht mehr nur um Nofretete, sondern um die deutsch-ägyptische Beziehung.
Kulturjournal im NDR vom 14.05.2007



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