Wo Kambodschaner sich zum Tanzen treffen

von Christine Rennert

What? Wie wir fremde Sprachen übersetzen (Ausgabe II+III/2011)


Gruppenweise aufgereiht stehen sie an Flussufern, in Parks oder Innenhöfen und bewegen sich fast perfekt synchron zu dröhnenden Popsongs, die auch in Überlandbussen in Dauerschleife laufen – westliche Musik mit Texten auf Khmer.

Wer nicht vorab von Freunden eingeladen wurde, reiht sich spontan ein. Mitmachen darf jeder, auch einen Dresscode gibt es nicht. Als Neuling bleibt man einfach in der hinteren Reihe und ahmt die Schritte des Vortänzers nach. Die Choreografien sind von Musikvideos inspiriert und erinnern an Aerobic-Übungen und Boygroups: Schritt zur Seite, Tritt nach vorn, Arme über den Kopf, Klatschen. Weil es kaum öffentliche Sporthallen und auch sonst nicht besonders viele Freizeitangebote gibt, wird im ganzen Land draußen getanzt. Nur in der Regenzeit, zwischen Mai und Oktober, gibt es eine Pause.

Erst vor etwa fünf Jahren ging es mit den Gruppentänzen los, als Musikclips durch das Fernsehen und Internet immer beliebter wurden. Die älteren Kambodschaner bevorzugen die anmutigeren Formen des Tai-Chi, zu denen sie sich schon frühmorgens vor dem Königspalast in Phnom Penh treffen. Doch manche von ihnen sammeln sich schon in eigenen Gruppen und tanzen ebenfalls zu Pop – aber schön langsam.



Ähnliche Artikel

Zweifeln ist menschlich. Aufklärung im 21. Jahrhundert (Was anderswo ganz anders ist)

Warum wir uns überall ohne Sprache verstehen

von Giora Feidman

Ich habe Konzerte auf der ganzen Welt gegeben. Schon seit ich ein junger Mann war, bin ich ständig unterwegs

mehr


Das Deutsche in der Welt (Köpfe)

Laute aus Afghanistan

Vor 30 Jahren kam Daud Khan Sadozai aus Afghanistan nach Deutschland. Im Gepäck hatte er einen kulturellen Schatz: die Robab, eine Langhalslaute, aus einem einz...

mehr


Weniger ist mehr. Über das Wachstum und seine Grenzen (Die Welt von morgen)

Die Bahn kommt

Eine Kurznachricht aus Kambodscha

mehr


Endlich! (Thema: Alter)

„Stets im dunklen Anzug“

von Tino Hanekamp

Sex, Drugs und Rock  ’n’ Roll: Für viele Rockstars gilt diese Formel ein Leben lang. Der Werdegang von Nick Cave zeigt jedoch, dass auch Musiker in Würde altern können

mehr


Körper (Thema: Körper)

„Der Körper vergisst nichts“

ein Gespräch mit Tchekpo Dan Agbetou

Was Tanzen über Menschen verrät

mehr


Menschen von morgen (Köpfe)

Brownies für Ho-Chi-Minh

Die beiden Amerikanerinnen Rachel Lutz, 24, und Tracy Tuning, 24, haben es mit ihrem Projekt bis in den Lonley Planet geschafft. 2004 leiteten sie Vietnamesen a...

mehr