Lernen von Professor Nachama

Andreas Nachama

Unterwegs. Wie wir reisen (Ausgabe II/2007)


Wie kann man deutsche Geschichte zwischen 1933 und 1945, Holocaust und Wehrmachtsverbrechen der jungen Generation besser vermitteln? Karten in den Geschichtsbüchern zeigen meist aus Sicht des deutschen Generalstabes, wann welche Armee vor Stalingrad oder am Atlantik das NS-Herrschaftsgebiet vergrößerte. Welche Karte zeigt aber die wahnwitzige Ausgangslage des NS-Staates? Sie wäre geeignet, gleich auf den ersten Blick die Aussichtslosigkeit eines solchen Eroberungskrieges anschaulich zu machen. Ein Flüsterwitz aus dem Nazireich könnte diese trockene Materie illustrieren: Sitzt in der Gestapozentrale ein Regimegegner und fragt den Inquisitor mit Blick auf eine Weltkarte: „Was ist der große grüne Fleck?“ – „Die Sowjetunion, der Erzfeind!“ So geht das mit allen großen Staaten weiter. Am Ende fragt er: „Was ist der kleine braune Fleck in der Mitte?“ – „Das Großdeutsche Reich!!!“ – „Sagen Sie, kennt Ihr Führer diese Karte?“ Geschichtsvermittlung muss nicht vor dem Absterben der Zeitzeugen kapitulieren, sondern versuchen, aus der Perspektive der Opfer zu lehren.



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