Editorial

von Jenny Friedrich-Freksa

Iraner erzählen von Iran (Ausgabe III/2014)

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Foto: Max Lautenschläger


„Jede dunkle Nacht hat ein helles Ende“, schrieb der persische Dichter Nizami Gandschawi im 12. Jahrhundert, dem „Goldenen Zeitalter“ des Iran. Wenn Sie mit einem Iraner sprechen, wird er gerne von der Vergangenheit erzählen. Er wird Ihnen von der Zeit erzählen, „als ihr im Westen noch nicht zivilisiert wart“, im Iran aber fortschrittliche Könige herrschten, sagt der Politikwissenschaftler Shahriar Mandanipur in diesem Heft. Über die Gegenwart aber werde er nicht gerne sprechen: „Womöglich erlaubt es ihm sein Stolz nicht, seine Scham über das herrschende Regime zu offenbaren.“

Iran, dieses kulturell so reiche Land, ist seit vielen Jahren von dunkler Nacht umhüllt. 2009 schimmerte mit der Grünen Bewegung kurz ein Morgenlicht auf. Viele im Iran und auch im Westen hofften damals, dass die Proteste nach den Wahlen zu einer echten Revolution führen würden. Stattdessen gab es eine zwei- te Amtszeit des fundamentalistischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinedschad – bis ihn 2013 Hassan Rohani ablöste. Seither wartet man darauf, dass es heller werden möge, dass dieser Präsident der Freiheit im Land einen Weg bahnt. Und dass er es aus der außenpolitischen Isolation führt, durch neue Positionen im Atomstreit oder im Syrienkrieg.

Wir haben für diese Ausgabe Iranerinnen und Iraner gebeten, aus ihrem Land zu erzählen. Einige berichten aus dem Exil, doch der Großteil der Autoren lebt im Iran. Seit Rohanis Präsidentschaft ist keine neue Freiheit von oben verordnet worden, aber es gibt Menschen, die kleine Freiräume schaffen und nutzen. Bei der Arbeit haben wir erlebt, wie fragil die neue Toleranz ist und wie wenig Verlass darauf ist, dass sie anhält. Einige Autoren wollten aus Sicherheitsgründen nur ihre Initialen nennen oder unter Pseudonym schreiben; mit anderen haben wir etliche Versionen ihrer Texte besprochen, bis Formulierungen gefunden wa- ren, die unbedenklich oder vielseitig interpretierbar sind.

Bei manchen Beiträgen muss man daher ein wenig zwischen den Zeilen lesen, andere sind erstaunlich mutig. Was wir gelernt haben: Es gibt kein Regelwerk, was geht oder was nicht geht. Manche Autoren wollen auf keinen Fall telefonieren, andere haben eher Angst, ihre E-Mails könnten gehackt werden, wieder andere möchten nur über Messenger kommunizieren. Es gibt immer noch viel Willkür im Iran, es gibt Hinrichtungen, Folter und Angst. Kein Land der Welt hat so viele Drogenabhängige, Menschen aus allen Schichten bedröhnen sich mit Opiaten oder Crystal Meth. Doch es ist nicht alles düster. Wie überall wollen die Menschen das Beste aus ihrem Leben machen. Und dann ist da noch die Kunst: Die Schriftsteller Mahmud Doulatabadi und Amir Hassan Cheheltan und die Künstlerin Parastou Forouhar erzählen in diesem Heft, wie sie der Zensur trotzen. Es gibt nicht nur den hellen Tag und die dunkle Nacht im Iran, es gibt viele Töne der Dämmerung.



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