Die Felsenkirchen von Lalibela

von Abebe Tesfaw

Une Grande Nation (Ausgabe IV/2017)

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Die äthiopische Felsenkirche Bete Giyorgis. Foto: James Whitlow Delano/ laif


Wenn ich Touristen zu den Felsenkirchen nahe der äthiopischen Stadt Lalibela führe, dann bleibt den meisten erst einmal die Spucke weg. Einen Anblick wie diesen kriegen sie nicht allzu oft zu Gesicht, denn mit Gotteshäusern in Europa oder den USA haben die Bauwerke nur wenig gemeinsam. Stattdessen sind die insgesamt elf Felsenkirchen von ihren Erbauern im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Berg gehauen worden. Die Diener des äthiopischen Kaisers Gebra Maskal Lalibela gruben Ende des 12. Jahrhunderts zuerst tiefe Gräben in das Vulkangestein. Dann höhlten sie die daraus resultierenden Monolithen aus und schufen so die Innenräume der Kirchen. Am Ende wurden die Wände mit Meißelarbeiten verziert. Wäre es nach dem Kaiser gegangen, dann hätten seine Felsenkirchen den Grundstein für ein »Neues Jerusalem« legen sollen.

Da damals immer mehr äthiopische Christen auf dem Weg nach Jerusalem den Raubzügen der Sarazenen zum Opfer fielen, wurde Lalibela als sicheres Pilgerziel in der eigenen Heimat konzipiert. Die Felsenkirche auf dem Foto ist die Bete Giyorgis, also die Georgskirche. Sie ist rund zwölf Meter hoch und in Form eines Kreuzes gehauen worden. Bis heute ist sie eine der beliebtesten Stätten für äthiopisch-orthodoxe Gläubige. Auch ich selbst bin oft hier. Nicht nur um Gruppen herumzuführen, sondern auch um mit meinen Freunden und Bekannten zu beten. Manchmal erwischen wir dabei Touristen, die in den Hallen rauchen oder mit Schuhen herumlaufen. Die müssen wir dann verscheuchen.



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