Poesie und Arbeitslager

Großbritannien (Ausgabe I/2010)


Herta Müller hat sich von den Orten und Menschen ihrer Heimat nicht losgesagt. Ihre Bücher beschwören nach wie vor die metallisch schmeckenden Realitäten, die 1989 zumindest teilweise begraben wurden. Ihre öffentlichen Äußerungen zur Ambiguität des intellektuellen und politischen Lebens im heutigen Rumänien sind ein Beweis dafür, dass das Land, aus dem sie stammt, sie bis heute schmerzt und die Wunde nie heilen wird.
Ovid Pecican in ROMANIA LIBERA (Bukarest) vom 09.10.2009

Die deutsche Autorin Herta Müller hat 2009 den Literaturnobelpreis gewonnen. Doch die meisten Buchhändler der Stadt fragen: „Herta who?“ Fangen wir damit an: Lediglich vier ihrer 19 Bücher sind ins Englische übersetzt worden – und die werden von den bekanntesten Buchläden der Hauptstadt nicht geführt.
Shreya Roy Chowdhury in THE TIMES OF INDIA (Mumbai) vom 11.10.2009

Allein die Feministinnen freuen sich darüber, dass nach der Britin Doris Lessing im Jahr 2007 und der Österreicherin Elfriede Jelinek im Jahr 2004 Herta Müller die dritte ausgezeichnete Frau in den letzten sechs Jahren ist.
LE FIGARO (Paris) vom 09.10.2009

Die diesjährige Preisträgerin ist – und das passt zum Preis – auf der Seite der Unter-drückten, ob in Ceau?escus Dystopie oder den ukrainischen Arbeitslagern. Einige idealistische Verleger werden jetzt ihr restliches Werk auf Englisch herausbringen und damit nicht deutschen Lesern neue Welten eröffnen. Und das ist – vom „Heldenepos Beowulf“ bis zu Müller – eine noble wie auch nobelpreiswürdige Aufgabe der Literatur.
THE TIMES (London) vom 09.10.2009



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