Leben in der Mini-Kapsel

Ich und die Technik (Ausgabe IV/2015)


Der Nagakin Capsule Tower in Tokio wurde 1972 nach dem Entwurf des Architekten Kisho Kurokawa gebaut und ist das erste Mikroappartementgebäude Japans. Ursprünglich waren die Appartements für ledige Büroangestellte und Geschäftsleute gedacht, heute wohnen dort ganz unterschiedliche Menschen. Die Kapsel links im Bild gehört zum Beispiel Herrn Takayuki. Er kaufte sie 2005 als Wochenendwohnung für sich und seine Frau. Unter der Woche arbeitet Herr Takayuki für eine Industrie- und Handelskammer in der Präfektur Ibaraki, 90 Minuten außerhalb von Tokio. Sein Appartement ist wie alle im Capsule Tower neun Quadratmeter groß (inklusive Bad). Baufällige Wohnungen können ausgetauscht, mehrere von ihnen zu einer größeren Einheit zusammengefügt werden. Wer Glück hat und bei der Übernahme einen alten Mietvertrag bekommt, kann hier für 60 000 Yen (rund 440 Euro) im Monat verhältnismäßig günstig wohnen. Der in die Jahre gekommene Nagakin-Turm sollte immer wieder abgerissen werden. Er ist der erste seiner Art, sein Verschwinden wäre daher ein herber Verlust. 

Noritaka Minami ist Assistant Professor für Fotografie an der Loyola University in Chicago.



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