Namen machen Leute

High. Ein Heft über Eliten (Ausgabe I/2015)


Ärzte und Richter haben traditionell einen hohen gesellschaftlichen Status. Ein Blick nach Schweden und Indien zeigt, dass Nachnamen elitärer Herkunft überdurchschnittlich häufig in diesen Berufen vertreten sind. In seinem Buch „The Son Also Rises“ hält der Ökonom Gregory Clark bei seinen Namensanalysen fest: In Schweden, einem Land mit vergleichsweise hoher ökonomischer Gerechtigkeit, sind Nachnamen der traditionellen Eliten erstaunlich beständig. Die Namen Rosencrantz und Guildenstern aus Shakespeares „Hamlet“ gehören zu alten skandinavischen Adelsfamilien, deren Namen häufiger bei Anwälten und Ärzten auftreten als der weitverbreitete Name Lundberg.

In Indien prägen die Religionszugehörigkeit und das Kastensystem die Nachnamenverteilung. Indische Ärzte heißen nicht selten Bandopodhyaya oder tragen einen anderen charakteristischen Namen der oberen Brahmin-Kaste. Auch wer Kontakt mit indischen Ärzten in den USA hat, dem sind diese Namen vermutlich geläufig. Erstaunlicherweise sind auch Nachnamen der „Scheduled Castes“, vor der Unabhängigkeit 1947 benachteiligter Kasten wie „die Unberührbaren“, in den betrachteten Elitegruppen überdurchnittlich häufig repräsentiert.

Zusammengestellt von Eva Philine Kemmer



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