Hmmm ... Liebe!

ein Gespräch mit Victoria Ositadinma Anikwenwa

Menschen von morgen (Ausgabe I/2009)


Würdest du dich als erwachsen bezeichnen?

Ja, und zwar weil ich wie die Erwachsenen denke, so spreche wie sie und mich so anziehe und verhalte wie sie. Ich werde oft auf über 20 geschätzt.
 
Wie kommst du mit deinen Eltern zurecht?

Meistens sind meine Eltern für mich wie Freunde. Nicht immer. Es gibt schon so einiges, was ich für mich behalte. Insbesondere dann, wenn sie mit mir unzufrieden sind. Ich liebe sie beide wirklich sehr, auch wenn meine Mutter die Strengere ist.
 
Wer sind deine Freunde?

Ich habe eigentlich keine Freunde in meinem Alter. Durch die Arbeit hier auf dem Markt habe ich viel mit Älteren zu tun, mit Erwachsenen. Aber auch Helen ist hier sie ist 23 und verkauft Kleider für ihre Tante. Sie würde ich als meine beste Freundin bezeichnen. Obwohl sie schon auf die Universität geht, ist sie noch oft hier, um mit mir zu reden und ihrer Tante zu helfen. 
 
Was erwartest du von deiner Zukunft?

Ich sehe mich als erfüllten Menschen. Ich meine damit, dass ich einigermaßen gut leben möchte und der Berufung folgen will, die Gott für mich hier vorgesehen hat.
 
Was meinst du denn mit Berufung?

Ich verstehe wohl nicht viel von Berufung, aber ich habe den großen Wunsch, Rechtsanwältin zu werden, damit ich Menschen hier helfen kann, für ihr Recht zu kämpfen. Außerdem habe ich den Wunsch, eine bessere Christin zu sein.
 
Gibt es etwas, das dir auf die Nerven geht?

Ich ärgere mich über unsere politischen Führer. Sie sind korrupt, durch und durch korrupt. Was mich an mir selbst stört, ist, dass ich manchmal lüge. Ich möchte das nicht, aber dann passiert irgendwas und du willst es verheimlichen …
 
Wovor hast du Angst?

Ich habe Angst davor, dass meine Umwelt es mir unmöglich macht, meine Ziele zu erreichen. Ich fühle mich auch nicht sicher hier. Überall muss ich meine Tasche gut festhalten, weil sie sonst gestohlen werden könnte. Schließlich sind da die Einnahmen eines ganzen Tages drin. Es gibt viel Armut hier und der Wirtschaft geht es nicht gut.
 
Wie sieht die Welt wohl in zehn Jahren aus?

Ich glaube, dass die Welt dann besser geworden ist. Ständig gibt es etwas Neues, wie das Internet, Telefon und neue Technologien. Da entwickelt sich viel Positives.
 
Was denkst du über die Liebe?

Hmmm ... Liebe! Liebe ist ein Gefühl, das man hat, wenn man die Zuneigung eines anderen gewonnen hat. Wenn du dieses Gefühl hast, möchtest du einfach immer nur mit demjenigen zusammen sein, den du liebst.
 
Gibt es hier um dich herum Jungen, die dir sagen, dass sie dich lieben?

Jaaaaa! Aber meine Antwort ist meistens nein, und zwar weil ich nicht als leichtes Mädchen gelten möchte. Einige sind sicher dabei, die mich wirklich mögen oder gar lieben, aber ich will vorsichtig sein.
 
Was ist der schönste Ort, an dem du je gewesen bist?

Das ist schwierig. Muss der Ort physisch schön sein? Ein Ort kann ja ein ganz gewöhnlicher sein, aber wenn man dort geliebt und angenommen ist, kann er der schönste der Welt sein.
 
Was war das Verrückteste, das du jemals gemacht hast?

Oh, das war bei meinem Schulabschluss: Wir haben die Tradition, unsere Schuluniform in Fetzen zu reißen. Meine Mutter wusste davon und hatte es mir verboten. Ich hab’ sie einfach ignoriert und als Erste meine Uniform zerrissen und mit Jubelschreien über meinem Kopf geschwungen. Meine Mutter hat mich einfach nur lange mit ihrem bohrenden Blick angestarrt ... 

Protokolliert von Bob MajiriOghene
Aus dem Englischen von Andrea Heß



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