Balla balla?

Katharina Troch

Ganz oben. Die nordischen Länder (Ausgabe I/2008)


Stellen Sie sich vor, Sie sind Hannah, eine ziemlich unerfahrene Journalistin aus Amerika. Sie reisen nach Jerusalem, begleiten dort einen Militäreinsatz, fahren in Siedlungsgebiete oder beobachten das Treiben an einem Checkpoint. Sie interviewen Palästinenser und Israelis, Zivilisten und Militante, und notieren das Wichtigste in Ihrem virtuellen Notizblock. Vor jeder Mission entscheiden Sie, ob Sie Ihren Text für Palestine Today, die Israeli Post oder Global News schreiben wollen. All das ist vom Schreibtisch aus möglich. Die dänische Entwicklerfirma Serious Games Interactive hat für Schüler im Alter von 13 bis 19 Jahren das Computerspiel „Global Conflicts Palestine“ entwickelt. Dort sollen sie per Mausklick den Nahostkonflikt aus Sicht einer Journalistin kennenlernen. Die Entwickler wenden sich dabei auch an Lehrer, schlagen eine Eingliederung in den Politikunterricht vor und liefern auf ihrer Homepage vielseitiges Zusatzmaterial wie Karten und Texte. Der Nahostkonflikt in einem Computerspiel – ist das nicht ein bisschen zynisch? Nein, denn endlich gibt es ein Compterspiel ohne Herumgeballer, dafür aber mit Substanz. Das Spiel kann natürlich weder den Schulunterricht noch das Zeitungslesen ersetzen. Hier geht es darum zu wagen, einen der nie enden wollenden globalen Konflikte einmal aus einer ganz anderen Perspektive zu betrachten.

Global Conflicts Palestine, ca. 20 Euro.
www.seriousgames.dk



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