... von Doktor Ladd

mit Dr. Paddy Ladd

Freie Zeit. Was Menschen tun, wenn sie nichts zu tun haben (Ausgabe IV/2009)


Es überrascht viele, dass Gehörlose, die sich mit Gebärden ausdrücken, eigene Sprachen und Kulturen entwickeln. In den letzten 100 Jahren verhinderte der sogenannte Oralismus, der Gehörlosigkeit als körperlichen Makel versteht, die Anerkennung dieser Kulturen. Bildungssysteme für Gehörlose waren verboten, Kinder sollten keine Gebärden verwenden. Das Resultat war hoher Analphabetismus. Gehörlose selbst forderten die Zweisprachigkeit von gesprochener Sprache und Gebärden. Als wissenschaftliche Diszplin folgten Gehörlosen-Studien zunächst linguistischen Interessen. In einer neuen Phase sollten nun Gehörlosenkulturen verstanden werden. Dies begann mit meinem Konzept von „Deafhood“ (Gehörlosigkeit), das die besonderen Fähigkeiten von Menschen anerkennt, die Gebärden verwenden, und sie als eigene Völker auffasst. Der von mir entwickelte Masterstudiengang „Deafhood Studies“ ist der erste seiner Art: Studierenden soll eine positive Sicht auf Gehörlosenkultur vermittelt werden. 
 



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