Über Geschichte stolpern

Atatürks Erben. Die Türkei im Aufbruch (Ausgabe IV/2008)


„Hier wohnte Ilse Rosenberg. Deportiert 1940. Ermordet 1942 in Auschwitz.“ 16.000 solcher Hinweise hat Gunter Demnig inzwischen in die Bürgersteige Europas eingelassen. Die Messingplatten sollen an die unzähligen im Nationalsozialismus spurlos verschwundenen Menschen erinnern. „Ich bringe die Namen zurück an ihre letzten Wohnorte“, sagt der Künstler. Die Aktion war von Anfang an als europaweites und alle Opfergruppen einschließendes Projekt geplant. Mittlerweile liegen „Stolpersteine“ in 350 Kommunen in Deutschland, 12 in Österreich, 13 in Ungarn und einer in den Niederlanden. In deutschen und österreichischen Gemeinden ist die Genehmigung meist recht einfach, da es in beiden Ländern ein größeres Bedürfnis nach Aufarbeitung gibt. In Frankreich und Polen sei es schwieriger, sagt Demnig. Dennoch sind weitere Anfragen aus Paris, Rom und Oslo in Bearbeitung, und nach mehreren gescheiterten Versuchen werden im Oktober 2008 in Polen und Tschechien auch Steine verlegt. Die Ablehnung mancherorts erklärt Demning mit „verletzten Eitelkeiten – aber die berappeln sich auch noch“.



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