Editorial

von Jenny Friedrich-Freksa

Was vom Krieg übrig bleibt (Ausgabe I/2007)

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Foto: Max Lautenschläger


Für die meisten von uns sind Kriege weit weg. Vordergründig zumindest. Sie geschehen an fernen Orten, im Irak, in Afghanistan oder im Kongo. Sie liegen weit zurück – wie der Zweite Weltkrieg. Dieser Krieg hat dennoch alles geprägt, was folgte, die politische Landschaft ebenso wie die Wirtschaftsentwicklung. Er blieb auch in der Kultur haften: in der Architektur der Nachkriegsbauten, in der Sprache („Blitzkrieg“) oder in Witzen („Don’t mention the war!“).

Immer schon haben Menschen sich mit Gewalt bekämpft und bei ihren Feinden Trümmer und Traumata hinterlassen. Auch wenn Frieden einkehrte, blieb der Krieg zurück – in den Seelen der Menschen und den Erinnerungen der Völker. Wäre in Deutschland der Widerstand gegen den Irakkrieg so intensiv ausgefallen ohne die Erfahrungen der beiden Weltkriege? Doch manche schwelenden Spannungen haben selbst diese großen Kriege überdauert: Nach dem Kalten Krieg flammten viele vergessene Konflikte neu auf, wie jene im früheren Jugoslawien. Und es stellt sich nicht nur dort die Frage, ob der Ausbruch der Gewalt hätte verhindert werden können: mit genauem Hinsehen und bewusster Krisenprävention.

KULTURAUSTAUSCH zeigt in dieser Ausgabe, was in den Kulturen vom Krieg übrig bleibt, wenn der Kampf vorbei ist. Internationale Autoren schreiben über die Folgen aktueller Konflikte und längst vergangener Kämpfe. Wir schauen in diesem Heft aber auch auf die Menschen, die nach dem Grauen wieder aufstehen und hoffen: auf anhaltenden Frieden, auf Demokratie oder einfach auf bessere Lebensbedingungen.



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