Wissenschaftliche Arbeiten zur Auswärtigen Kulturpolitik. Ein Überblick

Stefan Hollensteiner

Toleranz und ihre Grenzen (Ausgabe III/2007)


Seit geraumer Zeit beschäftigen sich auch Hochschulen intensiv mit den kulturellen Aspekten der Europa- und Außenpolitik. Davon zeugen einige jüngere wissenschaftliche Abschlussarbeiten. Die Politologin Jasmin Uhlig etwa vergleicht die Arbeit des Goethe-Instituts mit den französischer Kultureinrichtungen in Israel. Während es den Franzosen primär um die Verbreitung von Sprache und Kultur ginge, haben bei den Deutschen der Dialog und Kooperation Vorrang.
Jérome Bourdiers Studie behandelt die fehlende gemeinsame europäische Außenkulturpolitik. Nach einem historischen Überblick geht er auf die Impulse ein, die von dem 1. EU-Rahmenprogramm sowie der Wahl einer europäischen Kulturhauptstadt ausgegangen sind. Das politische Bedeutungspotenzial der Kultur sieht er insbesondere in den Bereichen Dialog, Konfliktprävention und Krisenmanagement.
Die Magisterarbeit des Kulturwissenschaftlers Daniel Niklas überprüft das gängige Lippenbekenntnis, die AKP sei integraler Bestandteil der Außenpolitik, anhand der deutsch-indischen Kulturbeziehungen. Kenntnisreich begrüßt der Autor das Bekenntnis zu einer vernetzten und pluralistischen AKP, die über Kunst- und Kulturvermittlung hinaus den Dialog fördern will. Zugleich räumt er ein, dass eine Evaluierung von Maßnahmen ohne neue Ideen und Konzepte der Wirkungsforschung kaum möglich sei.
Angesichts der Debatten um die Umstrukturierung des Goethe-Instituts ist das Thema von Heike Denscheilmanns Diplomarbeit – die deutsche AKP in Frankreich – hochaktuell. Obwohl statt Versöhnungsarbeit nun europäische Integration im Vordergrund steht, ist in vielen Bereichen ein stagnierendes oder sinkendes Interesse an der Kultur des jeweiligen Nachbarlandes festzustellen. Aufgrund der Mischfinanzierung mit großer Beteiligung der französischen Partner vor Ort verfolgen die deutsch-französischen Häuser einen verbraucherorientierten Ansatz, leiden aber unter rückläufiger Unterstützung aus Deutschland.
Kathy Schirwinskis Magisterarbeit wiederum untersucht das Lektorenprogramm der Robert Bosch Stiftung in Mittel- und Osteuropa. In Interviews mit zehn ehemaligen Lektoren analysiert sie die subjektiven Sichtweisen der Lektoren sowie Attraktivität, Nachhaltigkeit und Effektivität des Programms.

La diplomatie culturelle de la France et de l’Allemagne – quelles perspectives pour l’avenir? Jasmin Uhlig. Université de Paris VIII, 2005.

Eine europäische Außenkulturpolitik als integraler Bestandteil europäischer Gemeinschaftspolitik. Jérome Bourdier. Universität Tübingen, 2006.

Auswärtige Kulturpolitik als integraler Bestandteil bundesdeutscher Außenpolitik – Länderbeispiel Indien. Daniel Niklas. Universität Eichstätt, 2005.

Neue Mittler für die Kultur? Eine Untersuchung deutscher AKP in Frankreich am Beispiel der Föderation deutsch-französischer Häuser. Heike Denscheilmann. Universität Hildesheim, 2005.

Zur Förderung der deutschen Sprache in Mittel- und Osteuropa in dem Lektorenprogramm der Robert Bosch Stiftung. Kathy Schirwinsky. Technische Universität Dresden, 2005.



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