Editorial

von Jenny Friedrich-Freksa

Toleranz und ihre Grenzen (Ausgabe III/2007)

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Foto: Max Lautenschläger


Das Vokabular zum Thema ist alt. Verbraucht in unzähligen öffentlichen Debatten, Kommentaren und Symposien über Toleranz. Es ist unmöglich geworden, Begriffe wie Kopftuch, Deutschkurs oder Einwanderer einigermaßen sachlich zu verwenden. Die Wörter sind so abgegriffen wie alte Münzen. Bei Bedarf aber scheppern diese Münzen immer wieder prima. Zwei Lager stehen sich in der Diskussion gegenüber: Das eine wird nicht müde, den Dialog auf Augenhöhe (auch so ein überstrapazierter Begriff) zu propagieren, das andere ruft immer lauter „Jetzt reicht’s aber wirklich!“

Weil heute so viele Angehörige verschiedener Kulturen aufeinander treffen wie nie, ist die Debatte so intensiv. Und zwar egal, ob sich die Menschen wirklich gegenüberstehen oder nur aus dem Fernsehen kennen. Die Debatte wird weiterhin wichtig sein. Denn die Einwanderung geht weiter, die Globalisierung auch. Längst stellt sich nicht mehr die Frage des Ob, sondern nur noch des Wie. Wir müssen uns der Frage, wie wir zusammenleben wollen, also unbedingt stellen.

Jede Generation denkt über das alte Thema der Toleranz neu nach. Dieses Heft fragt nach ihren aktuellen Grenzen. Außerdem stellen wir interdisziplinäre Thesen und Erkenntnisse zum Thema vor: Der amerikanische Biologe Marc Hauser erklärt, wie Toleranzempfinden und Ekelgefühle zusammenhängen. Die Juristin Seyran Ates¸ findet, dass zwischen einer nackten Frau auf einer Kühlerhaube und einer angezogenen unter einem Kopftuch kein großer Unterschied besteht: Sie werden vor allem sexuell wahrgenommen. Der französische Philosoph Bernard-Henri Lévy schließlich definiert Toleranz als „schwächste Form der Liebe“.

Im Thementeil zeigen wir Gruppenbilder des niederländischen Fotografen Ari Versluis. Hinter ihnen steckt die Frage „in or out?“ – wer warum drinnen ist und wer draußen. Und darum geht es auch in diesem Heft.



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