Filme machen in Krisengebieten

Rakesh Sharma

Unterwegs. Wie wir reisen (Ausgabe II/2007)


Als mein Film „Final Solution“ über Ausschreitungen im Namen des indischen Hindu-Nationalismus von der indischen Zensurbehörde im Jahr 2004 verboten wurde, mussten wir uns entscheiden: entweder zeitraubende Verhandlungen aufnehmen oder das Verbot politisch bekämpfen. Obwohl sich die Urteile der indischen Justiz beständig auf Artikel 19 der indischen Verfassung für freie Meinungsäußerung berufen, dauern Prozesse bis zu drei Jahren. In dieser Zeit bleibt das umstrittene Werk der Öffentlichkeit vorenthalten. Aus diesem Grund haben wir uns für nicht-legale Strategien entschieden. Unsere erste große Kampagne hieß „Pirate-and-Circulate“. Wir starteten sie kurz nach dem Verbot. Die Botschaft war simpel: Man erhält eine Kopie umsonst, wenn man mindestens fünf weitere Kopien zieht und verbreitet. Etwa 12.000 Kopien kostenloser Video-CDs wurden auf diese Weise in Indien verteilt. Unsere zweite Kampagne war die „Home-Theatre“-Kampagne. Sie wurde von Gandhis „zivilen Ungehorsam“ inspiriert. Die Idee war: Wenn der Film nicht auf großer Leinwand im Kino zu sehen ist, zeigen wir ihn stattdessen 20 bis 30 Zuschauern in 50 Privat-Haushalten. An Gandhis Geburtstag, am 
 2. Oktober 2004, lief der Film auf 220 Privatfernsehern. Eine Woche später gab die Zensurbehörde den Film, den sie als nicht geeignet für die öffentliche Vorführung eingestuft hatte, frei. Über jede große Kampagne oder Entwicklung wurde ausführlich in der Presse und im Fernsehen berichtet, so dass eine riesige Debatte ausgelöst wurde: über Zensur an sich. Die öffentliche Meinung zwang die Zensoren zum Einlenken.



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