Im Bann der Ziege

von Saba Khalid

Brasilien: alles drin (Ausgabe I/2013)


Besucher von nah und fern erklimmen die höchsten Berggipfel Pakistans, um einmal einen Markhor zu erspähen. Die wilde Bergziege, von der es heute nur noch 1.500 lebende Tiere gibt, steht längst auf der Lis­?te der vom Aussterben bedrohten Arten. Beheimatet ist das Nationaltier Pakistans in den einsamen Tälern im Norden des Landes. Sein Name ist sprechend: "Mar" steht für "Schlange" und "Khor" bedeutet "Fresser". Zahlreiche Legenden ranken sich um das grazile Geschöpf. Man erzählt sich, es würde Schlangen töten und vertilgen. Dennoch: Die Ziege mit den imposanten korkenzieherartig gewundenen Hörnern ernährt sich rein vegetarisch.

Dem Volksglauben nach steht der Markhor im Bann der Peri, der Berggeister, die das Tier an einen von ihnen bestimmten Jäger ausliefern können. Wenn allerdings ein unbefugter Weidmann den Markhor tötet, droht dem Unglücklichen selbst die Geiselnahme durch die Geister. Die einzige Möglichkeit, sich wieder zu befreien, besteht darin, die Berggeister durch Opfergaben gnädig zu stimmen. Das Überleben des Markhor ist wahrscheinlich den lokalen Völkern, den Nuristani und den Kalash, zu verdanken. In ihrer Welt bedeutet der Verlust eines Tieres einen Schicksalsschlag. Der Ertrag der heute nur noch in Ausnahmefällen und gegen sehr hohe Abschussprämien gestatteten Jagd fließt zum Großteil wieder an die Nuristani und die Kalash und bietet einen handfesten Anreiz, die Huftiere auch künftig zu schützen.



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