Was Inder denken, wenn sie einen Pfau sehen

von Vikas Swarup

Weniger ist mehr. Über das Wachstum und seine Grenzen (Ausgabe I/2011)


Der Pfau ist nicht nur der Nationalvogel des Landes, die Menschen verbinden ihn mit dem Geist Indiens, mit dem Monsunregen, mit dem Zusammenkommen und Verabschieden von Verliebten, mit Schönheit und Anmut, Leidenschaft und Liebe. Der Pfau wird in Indien als heilig verehrt, besonders im Norden, wo seine Federn verbrannt werden, um vor Krankheit zu schützen oder um Schlangenbisse zu heilen.

Der Legende nach war der Pfau ein einfacher brauner Vogel, der seine Schleppe ausbreitete, um den Gott Indra vor dem dämonischen König Ravana zu verstecken. Aus Dankbarkeit schenkte Indra ihm ein glänzendes Gefieder.
Die majestätischen Bewegungen des großen Hühnervogels sind in die indische Kunst eingegangen. Bharatha Natyam, der klassische indische Tanz, hat sogar eine Figur, welcher der Pfau als Vorlage diente. Der Sanskritdichter Kalidasa machte die Schönheit des Pfaus durch sein klassisches Liebesgedicht „Meghaduta“ unsterblich. Auch indische Kunsthandwerker stellen den Vogel in unzählbaren Varianten dar.

Auf dem indischen Subkontinent glauben die Menschen, dass es bald regnen wird, wenn der Pfau ein Rad schlägt, und die sich häufenden Regenwolken nach dem Ende des langen indischen Sommers erfreuen nicht nur das Herz des Pfaus, sondern auch das von Millionen von Indern.

Aus dem Englischen von Merve Durmus



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