Wegweiser

Martin Löffelholz

Großbritannien (Ausgabe I/2010)


Durchgängig aktualisiert, vielfältig ergänzt und rund 130 Seiten umfangreicher – so präsentiert sich die kürzlich erschienene zweite Auflage des Handbuchs "Kultur und Außenpolitik". Es braucht keine hellseherischen Fähigkeiten, um vorherzusagen, dass der überarbeiteten und erweiterten Auflage ein ähnlich großer Erfolg beschieden sein wird wie dem Erstlingswerk. Nachdem die 2005 publizierte erste Auflage mehrfach nachgedruckt werden musste, haben Verlag und Herausgeber entschieden, dem Kompendium eine Generalüberholung zu gewähren.

An der Grundstruktur hat sich dabei im Wesentlichen nichts geändert: Nach drei einführenden Aufsätzen zu den Zielen (Kurt-Jürgen Maaß), theoretischen Grundlagen (Verena Andrei und Volker Rittberger) und Entwicklungslinien der Auswärtigen Kulturpolitik (Kurt Düwell) folgt ein umfangreiches drittes Kapitel über Inhalte und Programme. Neu hinzugekommen ist hier ein lesenswerter Beitrag von Sebastian Körber zu der "veränderten Arbeit am Deutschlandbild". Thematisiert wird dabei insbesondere das Verhältnis zwischen"klassischer" Auswärtiger Kulturpolitik und den seit wenigen Jahren auch in Deutschland verwendeten Konzepten des Nation Branding und der Public Diplomacy. Ebenfalls neu aufgenommen hat der Herausgeber Kurt-Jürgen Maaß in dieses Kapitel einen ausführlichen und detailreichen Aufsatz von Martina Fischer, stellvertretende Leiterin des Berghof Forschungszentrums für konstruktive Konfliktbearbeitung, zur Rolle von Kultur in Prozessen der Konflikttransformation und Friedenskonsolidierung.

Zumindest im Hinblick auf die Entwicklung des Internets nicht ganz auf der Höhe der Zeit ist allerdings der Beitrag zur Rolle der Medien in der Auswärtigen Kulturpolitik. Mag es bei der Erstauflage des Buches noch berechtigt gewesen sein, die Medien der zweiten Generation des Internets nicht zu erwähnen, so gilt das – angesichts des weltweiten Erfolgs von Facebook und Co. – keineswegs mehr im Jahr 2009. Zwar sind die Konsequenzen von E-Communities, Blogs, Podcasts und anderen Social-Media-Plattformen für die Auswärtige Kulturpolitik im Detail bislang kaum untersucht. Dass diese Medien, die im Kern auf der Generierung von Inhalten durch die Nutzer selbst basieren (user generated content), sowohl als Kulturmittler als auch als Kulturform bedeutsam sind, steht aber außer Frage. Die Aktualität und Qualität des Gesamtbandes wird dadurch allerdings kaum beeinträchtigt. Denn zumindest die bereits sichtbaren
Konsequenzen des Internets für die Auswärtige Kulturpolitik werden in diversen Beiträgen behandelt.

Zu den besonderen Stärken des Handbuchs gehören die Beschreibungen der wichtigsten Akteure der Außenkulturpolitik. Wie schon die Erstauflage listet auch das neu aufgelegte Werk die einzelnen Organisationen nicht nur auf, sondern analysiert deren Ziele, Strategien und Strukturen. Besonderes Augenmerk gilt dabei den deutschen Akteuren – vom Bundestag über die Mittlerorganisationen bis zu den Stiftungen. Alle Darstellungen wurden für die zweite Auflage auf den neuesten Stand gebracht. Für die Analysen der Rolle der Länder, der Gemeinden, der Mittlerorganisationen und der verschiedenen Bundesministerien in der Auswärtigen Kulturpolitik zeichnet der Herausgeber Kurt-Jürgen Maaß kenntnisreich und erfahrungsgesättigt als Autor verantwortlich. Dezidiert neu gefasst wurde in diesem Zusammenhang der Aufsatz zur Bedeutung des Auswärtigen Amtes: Peter Kettner geht dabei in seinem Beitrag auch auf neuere Entwicklungen innerhalb des Auswärtigen Amtes ein, unter anderem auf die Folgen der Zusammenführung der Bereiche Kultur und Kommunikation in eine Abteilung.

Internationale Akteure wie die UNESCO oder der Europarat sowie relevante Organisationen in anderen Ländern werden im fünften respektive sechsten Kapitel beschrieben. Für die vorliegende zweite Auflage des Handbuchs wurden in dem Kontext zwei wichtige und richtige Neujustierungen vorgenommen: Die Auswärtige Kulturpolitik der Russischen Förderation wird von Ottilie Bälz nunmehr in einem eigenen Beitrag vorgestellt. Und Chinas außenpolitisch interessanter Weg, "mit Konfuzius ins 21. Jahrhundert" zu gehen, wird in der zweiten Auflage des Handbuchs nun erstmals gewürdigt. Falk Hartig kommt dabei zu dem Schluss, dass sich Chinas Auswärtige Kulturpolitik noch "in der Anfangsphase" befinde, obgleich im Dezember 2008 immerhin bereits 249 Konfuzius-Institute und 56 "Konfuzius-Klassenzimmer" in 78 Ländern existierten.

Abgerundet wird das Handbuch mit einem ebenfalls neu aufgenommenen Beitrag von Gerd Ulrich Bauer zu Forschung und Lehre sowie mit einer Vielzahl bereits bewährter Hilfsmittel, die das Nachschlagen und Weiterlesen erleichtern: einem ausführlichen und aktuellen Gesamtliteraturverzeichnis, Personen- und Sachregistern und einem nützlichen Ratgeber zur Auswärtigen Kulturpolitik in Literatur und Internet. Fazit: Mit der zweiten Auflage reifte ein bereits gutes Buch zum Standardwerk, das in keiner Bibliothek fehlen sollte.

Kultur und Außenpolitik. Handbuch für Studium und Praxis. Hrsg. von Kurt-Jürgen Maaß. Nomas Verlag, Baden-Baden, 2009.



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