Was ist das Internet der Dinge?

von Wolfgang Henseler

Ich und die Technik (Ausgabe IV/2015)


Das Internet der Dinge kann man im Prinzip recht einfach erklären. Es bezeichnet die Vernetzung von Dingen, die es vorher nur einzeln gab, und die Kommunikation dieser Dinge untereinander, die durch eine Verbindung zum Internet möglich wird. Man nennt sie „smarte“ Produkte: Dinge, die sich mit dem Internet verbinden und sich auf die Bedürfnisse ihrer Nutzer abstimmen lassen. Dazu gehören heute etwa „Wearables“, kleine Computersysteme, die man am Körper tragen kann, wie zum Beispiel Tracking-Armbänder. Mithilfe von Sensoren können diese die Schritte ihres Trägers zählen oder seinen Puls messen.

Automatisch synchronisieren sich die Armbänder mit einer Smartphone-App und aktualisieren ständig ein Trainingsprofil, an dem ein individueller Sportplan ausgerichtet werden kann. Geräte dieser Art sind Vorboten einer Generation von Objekten, die wie kleine menschliche Subjekte funktionieren und durch Sensoren ihre Umwelt wahrnehmen. Viele Dinge unseres täglichen Lebens wie Laufschuhe oder Koffer werden künftig damit ausgestattet sein. Durch Lern­algorithmen und Verbindung zum Internet werden die Dinge eigenständiger agieren. Das klingt ein bisschen wie Science-Fiction, breitet sich aber längst aus. Wir mögen diese Produkte, weil sie unser Leben angenehmer machen und uns alltägliche Aufgaben abnehmen oder erleichtern.

Amazon entwickelt derzeit zum Beispiel eine Kaffeemaschine, die Kaffeetabs nachbestellt, bevor der Vorrat zu Ende geht. Per WLAN baut sie eine Verbindung zum Internet auf und bestellt selbständig nach. Dieses Prinzip nennt sich „predictive shopping“.

Selbst tätig werden muss man bei Amazons „Dash-Button“. Das ist ein türklingelgroßer Knopf, der ein bestimmtes Produkt bestellt, sobald man ihn drückt. Ein Knopf mit dem Logo des bevorzugten Waschmittels kann zum Beispiel an der Waschmaschine angebracht werden. Die Knöpfe sind durch eine Smartphone-App mit dem WLAN und einem Amazon-Konto verbunden, über das die Bestellung und die Bezahlung abgewickelt werden. Der Lieferservice stellt Ihnen die Produkte vor die Tür.

Mit der „On-Call-App“ von Volvo kann man sein Auto an kalten Wintertagen über das eigene Smartphone vorheizen.

Und im kalifornischen San Diego leuchten Straßenlaternen von alleine auf, wenn Menschen vorbeilaufen. Außerdem melden die Laternen selbständig, wenn eine Wartung ansteht.

Das Internet der Dinge wird heute oft mit „Home-Automation-Lösungen“ in Verbindung gebracht. Ein hausinterner Server steuert zum Beispiel die Lichtregulierung: Bewegungsmelder erfassen, wenn jemand einen Raum betritt, und das Licht schaltet sich ein. Fachmagazine machen diese Häuser mit großen farbigen Fotos attraktiv. Diese Server müssen jedoch von jedem Nutzer erst umständlich konfiguriert werden, um sie effizient nutzen zu können. Solche Lösungen versprechen zwar ein angenehmeres Leben in den eigenen vier Wänden, doch die Schwelle zur einfachen, intuitiven Nutzung dieser Systeme ist hoch. Wir wünschen uns zwar, dass uns alltäglicher Aufwand abgenommen wird. Der Lichtschalter ist aber immer noch einfacher zu bedienen als die Beleuchtungs-App auf dem Smartphone.

Dieses Funktionalitätsdilemma hat Apple erkannt. Apples „Home-Kit“ ist der Ansatz einer App-Lösung, die Smart-Home-Geräte unter einem Standard verbindet, so dass mit einer einzigen App alle Funktionen wie Beleuchtungs- und Schließsysteme oder Thermostate gesteuert werden können.

Der Markt des Internets der Dinge wird jedoch nicht nur von Apple und Amazon beherrscht. Neben Google oder dem Elektroautobauer Tesla melden Apple und Amazon allerdings die meisten Patente an und setzen neue Standards für diese Technologien. Damit bauen sie Systeme auf, die später unersetzlich für Dienste des Internets der Dinge sein werden.

Die Vernetzung der Geräte wird sich dort durchsetzen, wo sie nützlicher ist als analoge Systeme. Auf diesem durchaus menschlichen Prinzip beruht der Erfolg neuer Technologien schon seit Jahrzehnten. Allerdings klafft eine große Lücke zwischen der Realität und unseren Wünschen. Wir werden auch in Zukunft auf das Analoge setzen, wenn es effektiver und zufriedenstellender ist. Wenn Schreiben auf Papier besser funktioniert als auf dem iPad, dann benutzen wir das analoge Medium. Trotzdem kommen mehr und mehr smarte Dinge des Alltags auf uns zu. Für die Gestalter und Entwickler der Zukunft bedeutet dies, die Komplexität der Dinge zu reduzieren und den Menschen ihre intuitive Handhabung zu ermöglichen.



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