Nicht nur zur Weihnachtszeit

Menschen von morgen (Ausgabe I/2009)


So leicht lässt sich Till Behnke nicht in eine Schublade stecken. Vielleicht könnte man ihn irgendwo an der Schnittstelle zwischen Unternehmer, Wirtschaftsinformatiker und realistischem Weltverbesserer ansiedeln. Von dieser Mischung profitiert sein Ende 2007 ins Leben gerufenes Online-Projekt www.betterplace.org, für das er kurz entschlossen seine Karriere bei DaimlerChrysler an den Nagel hängte. „Betterplace“ ist eine Plattform, auf der sich Projekte aus aller Welt vorstellen und Spender anwerben können. Kinder aus einem Dorf in Kamerun bitten um Schulgeld, auf Madagaskar wird Unterstützung beim Brunnenbau benötigt und Udo, 8 Jahre, aus dem Kinderheim Herne und Wanne-Eickel, wünscht sich zu Weihnachten Inline-Skater.
Bei allen Projekten ist die Transparenz entscheidend. Detailliert wird aufgeführt, wofür wie viel benötigt wird. Ein Projektverantwortlicher dokumentiert den Fortschritt des Vorhabens und ein Spendenbarometer zeigt an, welcher Teil der Kosten bereits gedeckt ist. Statt Gütesiegel setzt Behnke auf ein Vertrauensnetzwerk von Projektbeobachtern und -unterstützern. So sollten die Spender einschätzen, wohin ihr Geld fließt. „Wenn man Teil eines Projektes ist und die Entwicklung miterlebt, bekommt das investierte Geld eine ganz andere Bedeutung“, sagt Behnke. Er spricht aus Erfahrung. Während eines Aufenthalts in Südafrika half er selbst bei sozialen Kleinstprojekten mit. Mit „betterplace“ realisiert er also auch ein persönliches Anliegen. Und das hat Erfolg: Im November 2008 wurde der 27-Jährige als einer von weltweit 200 Social Entrepreneurs in das Fördernetzwerk Ashoka aufgenommen. Ashoka zeichnet Menschen aus, die wirtschaftliche Konzepte mit sozialen Zielen verknüpfen. Für drei Jahre werden Behnke und „betterplace“ nun von Ashoka gefördert.



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