Große Namen

Brasilien: alles drin (Ausgabe I/2013)


Cildo Meireles, 64, erlebte als Kind den Bau von Brasilia und als Jugendlicher den Militärputsch. Seinem Widerstand gegen das repressive Regime verlieh er in den 197oer-Jahren Ausdruck, indem er Banknoten oder Cola-Mehrwegflaschen mit politischen Botschaften bedruckte. Seine Werke werden weltweit ausgestellt.

Die Tänzerin und Choreografin Deborah Colker, 52, setzt sich konsequent über Genregrenzen hinweg. Als Bewegungsregisseurin trat sie 1992 in Werner Herzogs Inszenierung des Sommernachtstraums in Aktion. Sie leitet ihre eigene Tanzkompanie und arbeitet für Musicals und Videoclips.

Seit den 1960er-Jahren führt der 76-jährige José Celso Martinez Corrêa, Zé Celso genannt, das legendäre Teatro Oficina in São Paulo. Sein Ensemble zeichnete sich durch Respektlosigkeit und innovative, gewagte Auftritte aus. Während der Militärdiktatur inszenierte er gesellschaftskritische Stücke, wie Maxim Gorkis "Die Kleinbürger", was ihn hinter Gitter brachte und gleichzeitig berühmt machte.

Beeinflusst von der amerikanischen Graffiti-Bewegung, machten sich die eineiigen Zwillinge Otávio und Gustavo Pandolfo, beide 38, schon mit dreizehn über die Hauswände von São Paulo her. Heute nennen sie sich schlicht Os Gêmeos ("Die Zwillinge") und hinterlassen oft völlig legal ihre riesigen Bilder auf Zügen und Fassaden - 2008 zum Beispiel an der Außenwand der Londoner Tate Modern.

Die Laufbahn des Musikers Tom Zé, 76, aus Irará im Bundesstaat Bahia begann auf dem Höhepunkt der Tropicália-Bewegung an der Seite von Caetano Veloso und Gilberto Gil. Zés musikalische Experimente waren ihrer Zeit jedoch voraus und er geriet bald in Vergessenheit. Ende der 1980er-Jahre entdeckte ihn Talking- Heads-Sänger David Byrne wieder und bescherte Zé eine neue Karriere in den USA. Musiker wie Beck oder Stereolab gehören zu seinen Bewunderern.

Bereits mit seinem ersten Film "Terra Estrangeira" ("Fremdes Land") von 1995 erregte der Regisseur Walter Salles, 56, beim brasilianischen Publikum wie bei der Kritik großes Aufsehen. Mit mehreren Roadmovies, wie "Die Reise des jungen Che" (2004) und zuletzt der Kerouac-Adaption "On the Road", wurde er international bekannt.

Zusammengestellt von Renata Ribeiro da Silva
Aus dem Portugiesischen von Kirsten Brandt



Ähnliche Artikel

Brasilien: alles drin (Thema: Brasilien)

„Auswandern ist nichts Schlechtes“

ein Gespräch mit Elena Margott Valenzuela Arias

Elena Margott Valenzuela Arias ist eine von tausenden Peruanern, die jährlich nach Brasilien einwandern

mehr


Une Grande Nation (Ein Haus ...)

... in Brasilien

von Rejane Pirozzi

Mein Haus steht in Jabaquara, einem Vorort der Stadt Paraty im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro. Es ist komplett vom Regenwald umgeben, der in diesen Breiten fast bis an die Atlantikküste reicht. 

mehr


Brasilien: alles drin (Thema: Brasilien)

Mehr ist mehr

von Raquel Rennó

Nur eine Vielfalt an veröffentlichten Meinungen kann einseitige Diskurse verhindern

mehr


Brasilien: alles drin (Thema: Brasilien)

Chefe Brasil

von Raúl Zibechi

Brasilien bestimmt immer mehr, wie sich ganz Südamerika entwickelt

mehr


Das Deutsche in der Welt (Thema: Deutschsein)

Wir nennen es Arbeitsmoral

von Eckhard E. Kupfer

Wer darf in Brasilien ein deutsches Unternehmen leiten? Über den kulturellen Wandel in der Führungsetage

mehr


Brasilien: alles drin (Thema: Brasilien)

Kommen und Gehen

von Ronald Grätz

São Paulo ist geprägt von Einwanderern aus aller Welt. Nicht für alle erfüllt sich das Versprechen eines besseren Lebens

mehr