Fahr-Lässigkeit

von Sibel Kekilli

Im Dorf. Auf der Suche nach einem besseren Leben (Ausgabe II/2012)


Zu klein, zu eng und zu stickig war es mir, als ich zum ersten Mal in der Türkei mit einem Dolmuş-Sammeltaxi gefahren bin. Ich war von den deutschen Bussen verwöhnt. Aber inzwischen finde ich Dolmuş fahren toll. Deshalb fand ich es auch sehr schade, als ich gelesen habe,  dass der Bürgermeister von Istanbul die klapprigen Kleinbusse abschaffen will. Dolmuş heißt auf Türkisch auch „überfüllt“. In ländlichen Gegenden kann man einfach irgendwo am Straßenrand in einen Dolmuş einsteigen. Er ist billiger als ein normales Taxi. Das Geld wird während der Fahrt eingesammelt. Früher hat das oft der Sohn des Fahrers erledigt, heute wird es einfach nach vorn durchgereicht. Die Türken sind sehr abergläubisch, deshalb sind an den Rückspiegeln oft blaue Nazar-Perlen befestigt, die vor dem „Bösen Blick“ schützen sollen. Es gibt einen bekannten Film mit dem verstorbenen Comedy-Star Kemal Sunal, in dem ein Dolmuş eine zentrale Rolle spielt. Das Dolmuş-Taxi gehört einfach zur Türkei – wie überfüllte Züge zu Indonesien.



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