Fernstudium

von Azadeh Khalifi

Iraner erzählen von Iran (Ausgabe III/2014)


Weil ich persische Literatur studiert habe, interessiere ich mich natürlich auch fürs Schreiben, habe aber lange nicht den Mut aufgebracht, es selbst zu versuchen. Seit ich, zusammen mit 16 anderen Studenten, die in ganz Iran verteilt sind, an dem Online-Workshop von Abbas Maroufi teilnehme, habe ich aber mehr Übung bekommen. Einige Stücke von mir habe ich mittlerweile zumindest schon im Internet veröffentlicht.

Persönlich bin ich schon auch ein bisschen stolz darauf, mit Abbas Maroufi zusammenarbeiten zu können. Ich empfinde ihn als einen der besten zeitgenössischen Autoren der persischen Sprache und habe alle seine Bücher gelesen. Er ist eine inspirierende Persönlichkeit und wir lernen eine Menge von ihm!

Die Unterrichtsstunden finden über die Online-Plattform GoToMeeting statt, bei der wir uns alle hören, allerdings nicht sehen können. Für jede Stunde müssen die Kursteilnehmer Materialien, meist einen Text oder einen Film, vorbereiten und unter bestimmten Fragestellungen bearbeiten. Die Sitzungen, in denen wir gemeinsam diese Themen und auch unsere eigenen Texte dazu besprechen, werden von Herrn Maroufi moderiert. Wir beschäftigen uns vor allem mit sozialen Themen, zum Beispiel geht es um Gewalt gegenüber Kindern. Obwohl Abbas Maroufi in Iran als Dissident gilt und wir uns über gesellschaftliche Fragen austauschen, habe ich aber bis jetzt keine Probleme mit den Behörden bekommen und spüre keinen Druck seitens des Staates. Überhaupt sehe ich die Situation junger Literaten in Iran positiv. Zwar kann man natürlich mit Büchern allein nichts verändern, aber man kann in der Gesellschaft ein Bewusstsein schaffen, zur Bildung beitragen und dadurch auch eine Ebene für Dialog aufbauen. Ich bin davon überzeugt, dass eine kreative Literatur eine Nation dabei unterstützt, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Von meiner eigenen Zukunft als Schriftstellerin habe ich allerdings noch kein klares Bild. Viele berühmte iranische Autoren leben im Exil und natürlich war und ist es auch immer gefährlich, Literatur zu produzieren. Man ist hier im Land mit Zensur konfrontiert, aber ich habe trotzdem Hoffnung. Schreiben ist einfach meine Passion und ich liebe die Literatur!

Protokolliert von Annett Hellwig
Dolmetscherin: Maryam Mameghanian-Prenzlow



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