Weißer werden

Moses Serubiri

Kauf ich. Ein Heft über Konsum (Ausgabe IV/2014)


Es ist ein Freitagnachmittag, 17 Uhr, und die Mustafa Kafeero Mall in Kampala brummt. Der Laden Jafar Enterprises für neue und gebrauchte Smartphones und Zubehör liegt im dritten Stock. Hinter den schillernden Displays steht der Verkäufer Khalisa Mohammed. Ich zeige auf ein Samsung S3 und frage Mohammed, wo das Smartphone herkommt. Er schaut kurz weg und lässt mich wissen, es sei aus Großbritannien importiert.

Die Kafeero Mall, auch bekannt als "Handymall", liegt im Zentrum der Hauptstadt. Wie es der Name verspricht, gibt es hier eine große Auswahl an Mobiltelefonen, ob gebraucht oder neu, ob aus China, Korea, Großbritannien oder den USA. Hier kann man vom T-Shirt bis zum Telefon erleben, was bei ugandischen Teenagern angesagt ist. Das Kaufverhalten junger Ugander zeigt, wie sehr sich die Wirtschaft des Landes verändert hat. Trotz dieses Wandels leben alte Muster der Kolonialzeit weiter. In der von China dominierten Wirtschaft Ugandas verkauft Mohammed das südkoreanische Samsung also als britisches Smartphone. Was sich wie ein Globalisierungslimerick anhört, offenbart, wie sehr koloniale Strukturen der sozialen Identifikation im ehemals britischen Protektorat Uganda noch immer nachwirken. Und wie sehr diese Identifikation von weißen, westlichen Vorbildern bestimmt ist.

Noch vor einem halben Jahrhundert galten importierte Waren aus Großbritannien als exotisch, als höherklassig. Wer sich ein Grammophon, einen Ford, Teetöpfe oder maßgeschneiderte Anzüge leisten konnte und all dies auch zeigte, galt als Angehöriger der Elite. Zu Kolonialzeiten kauften Ugander sich durch britische Bildung in höhere Klassen ein. Heute kauft man sich eben mit Smartphones in die Mittelschicht ein. Menschen, die britische oder US-amerikanische Waren besitzen, werden auch "mzungu" genannt. Das steht für "weißer Mann", im weiteren Sinne aber auch für einen Reisenden, eine weltgewandte Person.

Auf der anderen Straßenseite, gegenüber der Kafeero Mall, verkauft ein neuer Laden Smartphones der chinesischen Marke Tecno. Auf die Frage nach dem Unterschied zwischen Tecno und anderen Marken antwortet die Verkäuferin verteidigend, ihre chinesischen Smartphones seien genauso gut wie andere. Das Wichtigste sei die persönliche Wahl, die nicht von irgendwelchen Gerüchten oder der öffentlichen Meinung beeinflusst ist. Die "persönliche Wahl" ist ein sehr individualistisches Motiv. Hier in Uganda wird es teilweise durch den Wunsch nach "mehr mzungu" bestimmt, also danach, "weißer" zu wirken.

Seit 1986 regiert das Regime von Yoweri Museveni, der eine Investmentpolitik durchsetzte, die heute viele ausländische Investoren ins Land holt. Wie auch in anderen Ländern der Region wird die Wirtschaft Schritt für Schritt privatisiert. Seit den frühen 1990er-Jahren haben sich Einkaufszentren, die, wie die Kafeero Mall, privaten ausländischen Investoren gehören, wie Pilze im Gras vermehrt.

Über die Hälfte der 36 Millionen Ugander ist heute unter zwanzig Jahre alt. Viele Teenager in Kampala verbringen ihre Zeit in diesen Shoppingmalls oder notbehelfsmäßig zusammengeschusterten Märkten voller Importwaren. Bevorzugt werden britische und US-amerikanische Marken, die als eine Art soziale Identifikation dienen.

Die junge Generation Ugandas legt heute wenig Wert auf traditionelle Sozialstrukturen und hat in gewisser Weise ihren Zugehörigkeitssinn verloren. Andererseits bringt diese neue kapitalistische Kultur auch kleine Erfolgsgeschichten mit sich. Denn auch ohne elitäre Ausbildung können junge Menschen mit dem Handel von Importwaren gutes Geld verdienen. Mit den Worten des Autors Pierre Kanouté bleibt jedoch zu fragen: "Werden die Afrikaner ihre Seelen und ihre Freiheit an jene verkaufen, die den meisten Wohlstand versprechen?"

Aus dem Englischen von Fabian Ebeling



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