Halbe Freiheit

Zweifeln ist menschlich. Aufklärung im 21. Jahrhundert (Ausgabe IV/2011)


Ai Weiwei hat sich offenbar darauf spezialisiert, seiner persönlichen Verbitterung Abhilfe zu verschaffen, indem er Feindseligkeiten schürt. Er ist den chinesischen Behörden schnell als politischer Querschläger mit verdächtiger Biografie aufgefallen. (...) Es scheint Ai wichtiger zu sein, der Regierung eine lange Nase zu zeigen und sich Autoritäten aller Art zu widersetzen, als sich an die Regeln zu halten und ein gutes Ende zu nehmen. Das ist seine Entscheidung.
HIDDEN HARMONIES CHINA BLOG (http://blog.hiddenharmonies.org) vom 10.4.2011

Dass die Regierung den eigensinnigen Künstler Ai Weiwei freigelassen hat, zeugt nicht von einem liberaleren Umgang mit Dissidenten – sondern davon, wie Peking mit willkürlichen Festnahmen viele Kritiker zum Schweigen bringt, sagen chinesische Menschenrechtsexperten. (...) Was wie ein Eingeständnis zur Beruhigung des Westens aussieht, könne nicht davon ablenken, dass Peking sein Ziel längst erreicht habe: einen der lautesten Kritiker mundtot zu machen.
Verna Yu in SOUTH CHINA MORNING POST (Hong Kong) vom 24.6.2011

All dies öffnet ein neues Kapitel von Pekings Unterdrückungspolitik. (...) Ai Weiwei ist zwar nicht länger in Haft, aber weiterhin von der Welt abgeschirmt. Die Androhung, dass er für immer aus dem Weg geräumt oder seine Familienangehörigen verfolgt und gefoltert werden, verbietet ihm, die Isolation und das Schweigen zu brechen.
Giampaolo Visetti in LA REPUBBLICA (Rom) vom 27.7.2011

Es geht nicht nur um berühmte Künstler (...): Im Zuge der brutalen Aktionen gegen Dissidenten und Kritiker nimmt die chinesische Regierung zunehmend auch deren Familien ins Visier.
Rachel Beitarie auf FOREIGNPOLICY.COM (Washington) vom 17.5.2011



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