Euro-Islamischer Kulturdialog

von Miriam Schneider

Atatürks Erben. Die Türkei im Aufbruch (Ausgabe IV/2008)


Der Arabist Muhsin al-Musawi geht in seiner neuesten Publikation der Frage nach, welche Rolle die Kultur für die Selbstwahrnehmung der irakischen Bevölkerung im Rahmen der politischen Unruhen der letzten Jahre spielt. Unter der Regierung Saddam Husseins, so seine Ausgangsthese, habe sich eine große Kluft zwischen den Zielen und Interessen der irakischen Führung und denjenigen des Volks aufgetan. Auf diese Differenz möchte er aufmerksam machen: Er spürt den verschiedenen Herkünften der irakischen Kultur in ihrer historischen Entwicklung nach und zeigt auf, welche Rolle der Rückbezug auf Epochen kultureller Blüte – etwa auf die Zeit des Babylon Nebukadnezars oder des Bagdad unter den Abbassiden – für die Identität des Irak spielt. Aus der Identifikation mit den einmaligen künstlerischen Hinterlassenschaften in den Bereichen Architektur und Literatur, so al-Musawi, ziehe das irakische Volk nicht nur Stolz und Selbstbewusstsein, sondern habe auch Strategien entwickelt, immer wieder Widerstand gegen Versuche der Unterdrückung und der Diktatur zu leisten, denen der Irak im Laufe der Jahrhunderte ausgesetzt war.

Reading Iraq. Culture and Power in Conflict. Von Muhsin al-Musawi. London: Tauris, 2006. 198 Seiten.



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