Maus auf Bierdeckel

Rosa Gosch, Ausgabe III/2009, Good Morning America. Ein Land wacht auf



Studenten von vier Kunsthochschulen haben für das Auswärtige Amt die „DeutschlandKollektion“ kreiert

Bierdeckel. Wofür sie schon alles herhalten mussten:
Steuererklärungen, Kartenhäuschen und jetzt auch noch Außenpolitik. Letzteres zumindest ist die Rolle, die das Auswärtige Amt den runden Alleskönnern in ihrer aktuellen Serie von „Kontaktpflegegeschenken” zugedacht hat.
In Zusammenarbeit mit Studenten von vier deutschen Kunsthochschulen – der Universität der Künste Berlin, der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, der Folkwang Hochschule Essen und der Burg Giebichenstein Halle – ist die „DeutschlandKollektion 2009” entstanden. Sie soll eine zeitgemäße und pfiffige Alternative zu den offiziellen Werbegeschenken im In- und Ausland sein.
Es gibt Regenschirme mit den wichtigsten Vokabeln zur Völkerverständigung in verschiedensten Sprachen (leider ohne Lautschrift), Grußkarten mit Gummibärchen in Schwarz-Rot-Gold und originelle Bierdeckel mit Symbolen deutscher Alltagskultur vom Gartenzwerg über den Fischerdübel bis hin zur Kuckucksuhr.
Insgesamt besteht die Kollektion aus 28 Teilen. Dabei fehlen auch nicht die typischen Gastpräsente wie Büromaterialien, Süßigkeiten und Spiele. Doch Altvertrautes taucht unter neuem Namen auf. Ein profanes Klebeband heißt plötzlich „KultStreifen”, ein Daumenkino zur Kunst des Schuhplattlers wird zum „German Blockbuster”, Heftklammern werden „Bündnispartner” und ein „Stresemann“ ist nicht länger Beinkleid, sondern aufblasbare Laptoptasche. Alles folgt der Devise „Klug gedacht und im Land gemacht“.
Die Bleistifte schmücken Zitate von Bertolt Brecht, Kurt Tucholsky, Erich Kästner und Christian Morgenstern. Viele der von den Studenten vorgeschlagenen Aussprüche von Ludwig Mies van der Rohe, Lukas Podolski oder Loriot setzten sich im Auswärtigen Amt allerdings nicht durch. Loriots Diktum „Ein Leben ohne Möpse ist möglich, aber sinnlos” entsprach wohl nicht dem Bild eines dynamischen, innovativen und weltoffenen Deutschlands, welches das Amt nach außen tragen möchte. „Aber die Kollektion hat nicht allen Witz eingebüßt”, so das Team von der Folkwang Hochschule, „sie ist noch neu und frisch, obwohl der Mops nicht drin ist.“ Das stimmt. Wer allerdings wenig Deutsch spricht, – was auf viele Beschenkte zutreffen dürfte – wird den Wortwitz oft nicht verstehen. Die „DeutschlandKollektion“ wurde im April 2009 bei der Kulturkonferenz „Menschen bewegen“ im Auswärtigen Amt vorgestellt.


 

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