Stefanie Schult über Elmina in Ghana

Stefanie Schult, Ausgabe III/2008, Wir haben die Wahl. Von neuen und alten Demokratien



Wie kaum eine andere Stadt verkörpert Elmina die gemeinsame Geschichte Europas und der Subsahara. 1482 errichteten die Portugiesen das Fort São Jorge da Mina, welches ihnen 150 Jahre als Hauptquartier an der westafrikanischen Goldküste und Handelsstützpunkt für Gold, Elfenbein und Sklaven diente. Es folgten weitere 250 Jahre unter der Ägide der Niederländer, für die Elmina neben einem Handels- auch ein Rekrutierungszentrum für Kolonialsoldaten war. Derweil wechselten mehrfach die Hoheitsverhältnisse im Umland und damit die einheimischen Verpächter, denen der Ort Zugang zu Waffen und Munition bot. Der Verkauf Elminas 1872 an Großbritannien löste schließlich einen Krieg zwischen den herrschenden Ashanti und der Kolonialmacht aus, den diese gewann. Unter britischer Herrschaft – bis zu Ghanas Unabhängigkeit im Jahr 1957 – verlor die Stadt an strategischer Bedeutung. Heute lebt Elmina vorwiegend vom Fischfang.



Das Foto ist von der ursprünglich portugiesischen Festung – heute Elmina Castle – aus aufgenommen. Die Festung steht, ebenso wie eine weitere, von den Niederländern in Elmina erbaute Anlage seit 1979 auf der Liste des UNESCO-Welterbes und lockt zunehmend Touristen in die Stadt. Der Ausblick zeigt den Fischereihafen an der Einfahrt der Benya-Lagune. Wie überall im Land ist der Fußball gegenwärtig.

 

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