Sprachenpolitik

Gudrun Czekalla, Ausgabe III/2007, Toleranz und ihre Grenzen



914 unterzeichneten 93 renommierte deutsche Wissenschaftler und Schriftsteller, unter ihnen Gerhart Hauptmann, Wilhelm Röntgen und Friedrich Naumann, den Aufruf „An die Kulturwelt!“. Sie rechtfertigten den deutschen Militarismus und leugneten Kriegsverbrechen in Belgien. Ihr Aufruf galt den Alliierten als Beleg für den Chauvinismus deutscher Wissenschaftler und führte zu einem Wissenschafts- und Sprachboykott. Die Autorin beschreibt die vorausgehenden Rivalitäten im internationalen Wissenschaftsbetrieb und die Machtverhältnisse am Beispiel internationaler Vereinigungen, Kongresse und Publikationen. Sie untersucht das Verhalten von Wissenschaftlern verschiedener Länder im Krieg und zeigt die Methoden und Instrumente auf, mit denen der Boykott betrieben wurde. Darüber hinaus geht sie auf die Gegenaktionen deutscher Wissenschaftler ein, die eigene Kongresse mit Wissenschaftlern neutraler Länder organisierten, deutsche Vereinigungen und Referateorgane gründeten. Als der Boykott 1926 vorzeitig beendet wurde, hatte das Deutsche seine privilegierte Stellung als internationale Wissenschaftssprache verloren. Ohne ihn, so die Autorin, wäre der Aufstieg der USA als Wissenschaftsmacht und der englischen Sprache nicht möglich gewesen.



Deutsch als internationale Wissenschaftssprache und der Boykott nach dem Ersten Weltkrieg. Roswitha Reinbothe. Frankfurt am Main: Peter Lang Verlag, 2006. 489 Seiten.

 

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