Lesen macht Freunde

Ausgabe I/2007, Was vom Krieg übrig bleibt



Das bislang einzige Literaturgymnasium Russlands befindet sich in Krasnojarsk, einer großen Metropole in der Mitte Sibiriens. Gegründet hat es Roman Solnzew im Jahr 1998: „In Sibirien gibt es viele talentierte junge Autoren. Wir helfen ihnen, gedruckt zu werden“, erklärt der Dichter, Dramatiker und Verleger, der selbst 20 Bücher geschrieben hat. Er wurde 1939 in Tatarstan geboren. In den 1990ern war er Mitbegründer des demokratischen Schriftstellerverbands und rief die Literaturzeitschrift „Tag und Nacht“ ins Leben. Seine Redaktion erhält elektronische und analoge Post aus Irkutsk und Chabarowsk, vom Uralgebirge und aus den Permafrostregionen. „Sibirien ist groß, die Menschen haben mehr Zeit, auch zum Lesen.“ War die UdSSR einst das Leseland Nummer 1, ist nach ihrem Ende die Leselust rapide gesunken. Nach Angaben der für Medien zuständigen Staatsagentur in Moskau besaß 2005 ein Drittel der Russen keine Bücher mehr. In Sibirien sei diese Tendenz viel gemäßigter, weiß Solnzew. Trotzdem ist Russland auf Platz 7 der viel lesenden Länder abgerutscht. Platz 1 belegt nun Indien mit 10,7 Stunden.

 

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