Editorial

Jenny Friedrich-Freksa, Ausgabe II/2008, Heiße Zeiten. Wie uns das Klima verändert



Morgen ist es immer anders als heute. Die Erde hat schon oft große Klimaveränderungen durchlaufen, sagen Skeptiker des Klimawandels und meinen: Was uns bevorsteht, wird nicht so schlimm. War schon immer so. Doch gerade der Blick zurück verdeutlicht, was wirklich kommt. Klimahistoriker zeigen, wie massiv sich in der Vergangenheit das Leben der Menschen veränderte, wenn es nur ein Grad kälter oder wärmer wurde. Die Forscher Zhang und Lee von der Universität Hongkong etwa fanden heraus, dass alle großen Dynastiewechsel in China stattfanden, wenn Kältephasen ihren Tiefpunkt erreichten.
Für uns geht es nicht um Kälte, sondern um Hitze. Übermorgen, etwa in 40 Jahren, wird es mindestens zwei Grad wärmer sein, prophezeien Naturwissenschaftler. Wir diskutieren in diesem Heft, wie Kulturen und Gesellschaften jetzt beginnen, sich mit dem Klima zu verändern. Bereits heute sind Menschen zu enormen Umstellungen gezwungen: Inuit, die nicht mehr jagen, Tuareg, die sesshaft werden, oder Andenhirten, die wissen, dass ihre Dorfkultur untergeht. Sie mussten den Bruch mit der Natur, wie sie sie kannten, bereits akzeptieren. Am größten Teil der Weltbevölkerung geht dies noch vorbei, im Süden der Erde oft aus Unwissenheit, im Norden aufgrund von Verhaltensmustern, die der kanadische Soziologe Sheldon Ungar „knowledge-ignorance paradox“ nennt: die Weigerung, Unangenehmes wirklich wahrzunehmen. Zu begreifen, wie uns Klimawandel – gestern, heute und morgen – verändert, darum geht es in dieser Ausgabe. Die Umwälzungen in der Natur sind beängstigend. Gleichzeitig gibt es viele gute neue Ideen, wie wir den Wandel bewältigen können. Vor allem müssen wir die Augen aufmachen.

 

Ähnliche Artikel

Ideen, die die Welt braucht

Ausgabe I/2008, Ganz oben. Die nordischen Länder, Nikola Richter

Sauber und leise: Green Landing

mehr


Das Innerste der Sprache

Ausgabe II+III/2011, What? Wie wir fremde Sprachen übersetzen, Italo Calvino

Was ein Autor von den Übersetzungen seiner Werke lernen kann – und warum Bücher Landesgrenzen überschreiten

mehr


Künstliche Wolken

Ausgabe I/2018, Erde, wie geht's?, Renee Cho

Mit technischen Eingriffen könnte die Erde abgekühlt und der Klimawandel aufgehalten werden. Ist das eine gute Idee?

mehr


Deutsch mit Wim

Ausgabe IV/2010, Das Deutsche in der Welt, Marcelo Figueras

Wie ich eine Sprache lernte, weil ich einen Film verstehen wollte

mehr


Rätsel eines Untergangs

Ausgabe II/2014, Inseln. Von Albträumen und Sehnsüchten, Mara Mulrooney

Haben die einstigen Bewohner der Osterinsel sich selbst zugrunde gerichtet — oder war alles ganz anders?

 

mehr


Überlassen wir es den Frauen

Ausgabe I/2011, Weniger ist mehr. Über das Wachstum und seine Grenzen, Robert Engelman

Die Weltbevölkerung wächst rasant. Wie viele dürfen wir sein?

mehr