Editorial

Jenny Friedrich-Freksa, Ausgabe I/2019, Oben



Auf einem Berg zu stehen, ist ein erhebendes Gefühl: Ganz nah die Wolken, unten das Tal, weit weg und klein. Menschen im Gebirge ist dieser Blick alltäglich. Ein bisschen abgeschnitten von der Welt wohnen sie in der Höhe, beschenkt mit der Schönheit der Natur, aber auch mit allen Herausforderungen, die diese mit sich bringt. 

In diesem Heft erzählen wir von Bergmenschen und Bergkulturen, von dem Wissen, das Völker, die »oben« leben, traditionell pflegen, und von den Mythen und Erzählungen, die sich um Berge ranken. Die Autorin Esther Kinsky nimmt uns in ihrem Einleitungsessay mit in die Moränenlandschaft des Friaul in Italien, die Geologin Gillian Foulger erklärt, wie Gletscher entstehen und die Geophysikerin Kristin Richter, wie sie verhungern.

Weltweit leben 900 Millionen Menschen im Gebirge. Der Geograf Bernard Debarbieux untersucht, was sie verbindet und was sie trennt. In Nagaland im indischen Patkai-Gebirge entdeckt ein junger Mann das Bergwissen seines Großvaters wieder, in den Ostkarpaten ist die Schriftstellerin Noémi Kiss von der Redseligkeit der dort ansässigen Tschangos überrascht.

Berge ziehen Menschen an, besonders jene, die im Flachland wohnen. Ihre Größe kann beeindrucken oder einschüchtern. Ihre Rohstoffe werdenmancherorts ausgeplündert, wie beim Mountain Top Removal in den Appalachen, wo ganze Bergkuppen abgeschnitten werden. Anderswo werden Gebirgslandschaften in Naturparks geschützt. Menschen und Kulturen weltweit – auch jene, die nicht in der Höhe geboren wurden – wären andere ohne Berge. Sich mit Bergen zu beschäftigen bedeutet, das Zusammenspiel von oben und unten wahrzunehmen, etwa die Flüsse, die im Gebirge entspringen und den Menschen im Tal Wasser bringen. Oder den Geschichten zu lauschen, mit denen sich Menschen von der Entstehung der Welt erzählen, etwa jener von den Gipfeln, welche sich ineinander verliebten, die jedes Maori-Kind kennt.

Jenny Friedrich-Freksa

 

 

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