Der Alltag in Katar

Gundula Haage, Ausgabe III+IV/2018, Das ärmste Land, das reichste Land



Anziehen
Männer tragen ein langes weißes Gewand, »Thawb«, und einen weißen Kopfschutz »Ghitra«, der mit »Igal«, einem schwarzen Band, festgehalten wird. Jeder katarische Mann trägt als Statussymbole außerdem eine Uhr, Manschettenknöpfe und einen Stift in der Brusttasche, eventuell auch eine »Misbah« (Gebetskette). Frauen tragen die lange schwarze »Abaya« und das Kopftuch, »Shayla«. Da die kulturellen Standards für die Kleidung nicht allzu viel Raum für Individualität lassen, sind das Make-up, die Schuhe und die Handtasche eine wichtige Möglichkeit, den eigenen Geschmack auszudrücken. Darum sieht man oft sehr extravagante Schuhe unter einer Abaya hervorblitzen.

Begrüßen
Treffen sich zwei Männer, dann schütteln sie sich die Hand und legen die linke Wange zweimal aneinander (wenn sie sich nicht kennen) und dreimal (wenn sie sich gut kennen). In formelleren Kontexten berühren sie sich zweimal  mit den Nasenspitzen, geben sich also eine Art Nasenkuss. Männer und Frauen allerdings berühren sich keinesfalls. Sie legen lediglich die Hand aufs Herz und neigen leicht den Kopf.

Essen
Es ist immer eine Ehre, zum Essen eingeladen zu werden. Darum bringt man höflicherweise eine Kleinigkeit mit, zum Beispiel ein Dessert. Gegessen wird mit der rechten Hand und man sitzt dabei auf dem Boden. Die linke Hand gilt als unrein. Zu Beginn des Mahls sagt man »Bismillah«, in Gottes Namen sind wir dankbar für das Essen. Wer satt ist, lässt ein kleines bisschen Essen auf dem Teller – das ist ein Kompliment für den Gastgeber, der so gut bewirtet hat, dass man gar nicht alles aufessen konnte. Zum Abschluss sagt man »Alhamdulillah«, Dank an Gott, und dankt damit auch dem Gastgeber.

Flirten
Traditionell gehört es sich nicht, dass  Männer und Frauen miteinander ausgehen und öffentlich ihr Interesse aneinander zeigen.  Das heißt aber nicht, dass nicht geflirtet wird! Katarische Männer greifen dabei gerne auf ein Repertoire an blumigen Ausdrücken zurück: »Ya ba-at chabdy« (du bist hinter meiner Leber her), »Amoot ala trabich« (Ich sterbe auf deinem Sand), »Ma asawy thifrich« (Ich bin weniger Wert als dein Fingernagel) und »Inty il gumar« (du bist mein Mond) sind beliebte Redewendungen.

Respekt zeigen
Älteren Menschen gebührt Respekt. Deshalb haben sie Vorrang beim Schlangestehen, bekommen die besten Sitzplätze angeboten und werden besonders begrüßt: Als Zeichen der Hochachtung vor ihrer Lebenserfahrung und Weisheit gibt man ihnen zur Begrüßung einen Kuss auf die Stirn, die Nasenspitze, die rechte Schulter oder die rechte Hand.

Informationen von Khalifa Al Haroon

 

Ähnliche Artikel

Was heute geschah

Ausgabe I/2016, Was bleibt?

Menschen und ihre Tagebücher – eine kleine Sammlung


mehr


Eine schrecklich nette Familie

Ausgabe III/2009, Good Morning America. Ein Land wacht auf , Michael Levitin

Was der amerikanische Familienroman über die Vereinigten Staaten aussagt

mehr


Oman

Ausgabe III+IV/2018, Das ärmste Land, das reichste Land, Kai Schnier

Das Haus der Familie Al Jafaari steht in dem omanischen Fischerdorf Al Ashkharah. Hier wohnen Salim Said Ali Al Jafaari, der älteste Sohn der Familie, und fünf seiner Geschwister zusammen mit ihren Eltern, Großeltern und einigen anderen Verwandten.

mehr


Berühmt in der Zentralafrikanischen Republik

Ausgabe III+IV/2018, Das ärmste Land, das reichste Land, Kai Schnier

1. Idylle Mamba
Sängerin
Die »Stimme der Zentralafrikanischen Republik« wird Lydia Natacha Mamba Danga heute genannt. Die jüngste Tochter einer Familie mit 16 Ki... mehr


„Ich bin für die Todesstrafe“

Ausgabe III/2009, Good Morning America. Ein Land wacht auf , Vicki Walser-Bryant

Die Buchhändlerin Vicki Walser-Bryant erklärt, warum sie als Christin Hinrichtungen befürwortet

mehr


Berühmt in Katar

Ausgabe III+IV/2018, Das ärmste Land, das reichste Land, Gundula Haage

1. Al-Mayassa bint Hamad Al Thani
Kunstmäzenin und Schwester des Emirs
Das Kunstmagazin ArtReview kürte die 35-jährige Al-Mayassa bint Hamad Al Thani zur mächtigs... mehr