Frau am Steuer

Nada Zeidan, Ausgabe III+IV/2018, Das ärmste Land, das reichste Land



Von der Tabubrecherin zum Idol: Die erste Rallyefahrerin der arabischen Welt erzählt, wie sie zum Motorsport kam und sich in einer Männerdomäne zu behaupten lernte 

Mein Weg in den Sport begann, als ich 1984 die Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele im Fernsehen sah. Ich war acht Jahre alt und völlig fasziniert! Zum ersten Mal nahm Katar an den Wettkämpfen teil und man konnte sich damals natürlich nicht vorstellen, dass Frauen jemals dabei sein würden. Vom Sportfieber gepackt begann ich Volleyball zu spielen. Doch erst als der katarische Bogenschütz- und Schießverband im Jahr 2000 seine Tore für Frauen öffnete, ging es richtig los mit meiner Sportlaufbahn. Innerhalb von zwei Jahren schaffte ich es mit Bogenschießen in die Nationalmannschaft der Busan Asian Games und gewann 2006 eine Goldmedaille.

Wir Vorreiterinnen mussten die höchsten Hürden überwinden. Als ich mit dem Sport begann, gab es in der gesamten arabischen Welt kaum Sportlerinnen. Anfangs haben mich viele Männer nicht gerade ermutigt. Ich glaube, sie haben mir den Erfolg nicht gegönnt, weil ich in ihre Welt eingedrungen bin. Doch als sie merkten, dass ich furchtlos bin und vorhatte zu bleiben, hat sich ihre Einstellung langsam geändert. Ich wollte der Welt beweisen, dass wir Frauen aus Katar nicht so sind, wie alle denken. Wir sind nicht nur die stereotype konservative Gestalt mit Burka! Unter dem schwarzen Kleid und dem Kopftuch befinden sich modern denkende Frauen, die sich mit den Besten messen können. Ich habe immer daran geglaubt, dass jede Frau alles erreichen kann, was Männer erreichen können.

Nach meinen ersten Erfolgen im Bogenschießen habe ich parallel dazu mit dem Motorsport begonnen. Die Teilnahme an der Jordan-Rallye 2010 im Rahmen der Rallye-Weltmeisterschaft war mein bisher größter Erfolg. Bogenschießen und Rallyefahren sind natürlich zwei ganz unterschiedliche Sportarten, aber sie benötigen ein ähnliches Maß an Konzentration. Es braucht viel Disziplin und den Willen, über sich hinaus- zugehen. Meine Familie war anfangs sehr skeptisch. Aus Angst um mich wollten meine Eltern zuerst nicht, dass ich Autorennen fahre. Mein Vater hat letzten Endes zugestimmt, aber meine Mutter hat immer noch Angst. Diese Sorge kann ich verstehen, ich bin schließlich selbst Mutter, aber Rallyes zu fahren ist letztlich viel sicherer als der normale Autoverkehr. Auch viele meiner Freunde waren dagegen, als ich mit dem Motorsport begann. »Das ist ein Sport für Männer! Die Leute werden schlecht über dich reden!« – solche Kommentare gab es viele. Aber ich bin meinem Traum gefolgt, und der Erfolg hat mir recht gegeben: Heute bin ich eine der wenigen bekannten arabischen Sportlerinnen.

In den vergangenen Jahren hat sich Katars Einstellung zum Sport grundlegend geändert, vor allem seit den Asienspielen 2006. Einige der Leute, die mich früher kritisiert haben, wollen jetzt, dass ihre eigenen Töchter in den Motorsport einsteigen. Heute sehe ich Mädchen, die schwimmen oder Gymnastik machen - das war selbst vor zehn Jahren noch undenkbar. Katar ist ein kleines Land mit einer kleinen Bevölkerung. Es braucht Zeit, damit sich die Einstellung der Menschen ändert. Neben unseren traditionellen Sportarten wie Reiten, Falknerei oder Dhau-Boot-Rennen werden auch internationale Disziplinen wie Fußball, Basketball und Schwimmen beliebter. Selbst in den Schulen ist Sport fester Bestandteil des Lehrplans.

Wenn Menschen mir sagen, dass ich ein Vorbild bin, macht mich das sehr stolz. Erst seit wenigen Jahren können katarische Frauen von sportlichem Ruhm träumen. Ich rate allen, die eigenen Träume nicht einzuschränken. Träumt davon, euer Land zu repräsentieren und eure Flagge auf den internationalen Bühnen in den Wind zu halten!

Protokolliert von Gundula Haage

 

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