Berühmt in Katar

Gundula Haage, Ausgabe III+IV/2018, Das ärmste Land, das reichste Land



1. Al-Mayassa bint Hamad Al Thani
Kunstmäzenin und Schwester des Emirs
Das Kunstmagazin ArtReview kürte die 35-jährige Al-Mayassa bint Hamad Al Thani zur mächtigsten Person der internationalen Kunstwelt. Die Schwester des amtierenden Emirs hat als Vorsitzende der katarischen Museumsbehörde einen Jahresetat von einer Milliarde US-Dollar zur Verfügung – und ist damit ein gern gesehener Gast in Galerien auf der ganzen Welt. Für Cézannes Gemälde »Der Kartenspieler« zahlte sie 2012 den damaligen Rekordpreis von 250 Millionen Dollar. Neben den wichtigsten Museen Katars, wie dem Museum für Islamische Kunst und der QMA Gallery, ist sie auch für das Filminstitut von Doha verantwortlich. Sie hat an der amerikanischen Duke-Universität Politikwissenschaften und Literatur studiert und verbrachte ein Jahr an der Sorbonne in Paris.

2. Tamim bin Hamad Al Thani 
Emir
Als Tamim bin Hamad Al Thani, einer von vier Söhnen des ehemaligen Emirs von Katar, 2003 als designierter Nachfolger seines Vaters auserkoren wurde, war er gerade einmal 23 Jahre alt. 2013 wurde er dann mit 33 Jahren tatsächlich zum jüngsten Staatschef in der arabischen Welt. Seither erfreut sich der Emir in seiner Heimat größter Beliebtheit. Flaggen und Plakate mit seinem Ebenbild gelten als Symbol des katarischen Nationalstolzes und dem Instagram-Account, den Al Thani Anfang 2018 angelegt hat, folgen bereits 350.000 Abonnenten. Die politischen Geschicke des Landes lenkt Al Thani derweil trotz seines jugendlichen Images eher konservativ. Kritiker sagen ihm enge Verbindungen zur Muslimbruderschaft nach und NGOs prangerten in der Vergangenheit wiederholt die Menschenrechtssituation in Katar an. Seit dem Arabischen Frühling tut sich Al Thani jedoch mit umfassenden Reformversprechen hervor. Die Rechte von Ausländern und Arbeitsmigranten sollen in Zukunft besser geschützt werden. Ob Al Thani sein Wort hält, bleibt abzuwarten.

3. Fahad Al ­Kubaisi
Sänger
Als Sohn einer konservativen katarischen Familie wuchs Fahad Al Kubaisi mit den Klängen der arabischen Khaliji-­Musik auf. Die Gesangskarriere des »zarten Baritons« nahm schon in der Schule ihren Anfang. Als Interpret traditioneller islamischer Musik begann Al Kubaisi, verschiedene musikalische Einflüsse zu mischen und gilt heute als bekanntester Sänger am Arabischen Golf. Das Musikvideo zu seinem Lied »Wbadin« von 2014 war das erste Video der arabischen Musikwelt, dass mit einem Selfiestick gefilmt wurde und hat zahlreiche Nachahmer inspiriert. Kubaisi ist außerdem der erste Musiker aus einem Golfstaat, der für einen Grammy nominiert wurde.

 

Ähnliche Artikel

Sport und Spiele

Ausgabe III+IV/2018, Das ärmste Land, das reichste Land, Liudmila Kotlyarova

Die nächste Fußball-Weltmeisterschaft findet in Katar statt. Wie Großveranstaltungen dem kleinem Emirat zu neuem Glanz verhelfen sollen

mehr


Klänge bewahren

Ausgabe I/2009, Menschen von morgen

Der ägyptische Musikwissenschaftler Professor Issam El-Mallah baut ein Musikarchiv für das Emirat Katar auf, um die arabische Musik zu bewahren. Nach und nach s... mehr


Wenn Verzicht unmöglich ist

Ausgabe I/2011, Weniger ist mehr. Über das Wachstum und seine Grenzen, Adania Shibli

In der arabischen Welt leben die meisten Menschen in Armut. Die Eliten orientieren sich lieber am westlichen Lebensstandard

mehr


Irgendwo in Afrika

Ausgabe I/2011, Weniger ist mehr. Über das Wachstum und seine Grenzen, Carmen Eller

Wie unser Atomstrom die Gesundheit der Menschen in Niger gefährdet

mehr


Das Vokabular zur Katastrophe

Ausgabe II/2008, Heiße Zeiten. Wie uns das Klima verändert, Mike Hulme

Wie wir über den Klimawandel reden

mehr


Wofür steht Amerika?

Ausgabe III/2009, Good Morning America. Ein Land wacht auf , Christian Parenti

Jeder US-Bürger stellt sich unter seinem Land etwas anderes vor. Ein paar Ansichten

mehr