Seit 25 Jahren bildet das Auswärtige Amt nicht nur den eigenen Nachwuchs, sondern auch angehende Botschafter und Diplomaten aus dem Ausland weiter">

Auf immer Wiedersehen

Kai Schnier, Ausgabe IV/2017, Une Grande Nation



Seit 25 Jahren bildet das Auswärtige Amt nicht nur den eigenen Nachwuchs, sondern auch angehende Botschafter und Diplomaten aus dem Ausland weiter

Glatt gebügelte Anzüge, falten lose Kleider, unter den Arm geklemmte Notizblöcke: Eshat schon etwas Staatstragendes, als die zwölfköpfige Gruppe junger Diplomaten aus Mali, Botswana, Südsudan und Malawi den Raum A-106 des Bezirksamts Berlin-Neukölln betritt. Man würde jetzt Kamerablitzlichter erwarten und deutsche Staatssekretäre, die zum Empfang der Delegation fleißig Hände schütteln. Doch im Raum A-106 wartet nur Arnold Mengelkoch, der Neuköllner Integrationsbeauftragte, und hält einen Vortrag über Migration. Tatsächlich sind die jungen Beamten nämlich nicht auf diplomatischer Mission hier, sondern um zu lernen.

Eingeladen hat sie das Auswärtige Amt, genauer gesagt das Referat 1-DA, das für die Internationale Diplomatenausbildung zuständig ist. Jährlich kommen im Rahmen dieses Programms rund 300 Nachwuchsdiplomaten nach Deutschland – zur Völkerverständigung und aus strategischem Kalkül, wie Mitorganisator Karl Flittner erklärt: »Zum einen will das Auswärtige Amt junge Menschen diplomatisch fortbilden, die dazu in ihrer Heimat keine Möglichkeit haben. Zum anderen wollen wir Kontakte knüpfen und unser Land präsentieren.«

Um diesen Spagat zu bewältigen, hat das Auswärtige Amt für junge Diplomatinnen wie Angelina Jolong aus dem Südsudan ein volles Programm erstellt. »In der vergangenen Woche haben wir den Bundesrat besucht, an einer Führung durch das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald teilgenommen und Unterricht zum Thema Internationale Verhandlungen bekommen«, erzählt sie. Das sei zwar anstrengend gewesen, aber auch sehr beeindruckend: »Was mich erstaunt hat, ist, wie sehr die Deutschen versuchen, eine Gesellschaft zu fördern, in der alle gleich behandelt werden. Das kann kompliziert sein, wie hier in Neukölln, aber der Anspruch ist spürbar.«

Jolong spricht, als hätte sie das Kompliment an die Bundesrepublik vorher aufgeschrieben, so selbstsicher geht es ihr über die Lippen. Man merkt ihr das diplomatische Talent an – und seit Neuestem auch die praktische Erfahrung. Erst gestern mussten sie und ihre Kollegen testweise vor die Kameras der Deutschen Welle treten und an ihrem öffentlichen Auftritt feilen. Auch professionelles Medientraining gehört zur Diplomatenausbildung dazu.

So ausgereift war das Programm nicht immer. 1992 startete es als Nothilfe für die Ex-Sowjetrepubliken, die unter der Ägide Moskaus keine Auswärtigen Dienste betrieben hatten. Die BRD half bei deren Neuaufbau. Doch mit der Zeit wurde aus dem Hilfsprogramm eine Dauereinrichtung. Heute beinhaltet die Ausbildung Lehrgänge für Diplomaten aus 180 Ländern.

Wame Dechambenoit aus Botswana ist eine von ihnen und überzeugt, dass sie sich in Deutschland eine Menge abschauen kann: »Zum Beispiel wie man als Vertreterin einer Regierung zur Geschichte seines Landes stehen sollte. Die Deutschen, die wir getroffen haben, verheimlichen die dunklen Kapitel der Vergangenheit nicht. Stattdessen ziehen sie politische Lehren aus ihr. Das hat mir imponiert.«

In den nächsten Wochen werden Dechambenoit, Jolong und ihre Kollegen Teil des Alumni-Netzwerkes des Auswärtigen Amts werden. Zurück in der Heimat werden sie auf den Gästelisten der deutschen Auslandsvertretungen stehen. Denn – und das ist im diplomatischen Tagesgeschäft des Auswärtigen Amts mehr als ein Sprichwort: Man sieht sich immer zweimal im Leben. 

 

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