72% der jungen Griechen halten die Finanzkrise für nicht beendet*

Babis Papaioannou, Ausgabe IV/2017, Une Grande Nation



Von der Wirtschaftskrise in Griechenland sind vor allem junge Menschen betroffen. Seit 2009 hat es systematische Kürzungen bei sozialer Leistungen für junge Menschen gegeben. Unter anderem wurden ihre Ansprüche auf Arbeitslosengeld beschränkt, Schulen geschlossen und Ermäßigungen im Nahverkehr abgeschafft. 

Am schwerwiegendsten war das Gesetz für einen speziellen Niedriglohn für junge Arbeitnehmer. Die Idee, man könne die Unternehmen durch solche Niedriglöhne dazu motivieren, den Nachwuchs einzustellen, erbrachte in der Umsetzung nicht die gewünschten Resultate: Mittlerweile ist Griechenland eines der Länder mit der höchsten Jugendarbeitslosigkeit. Eine Auswertung der Daten des griechischen Sozialversicherungsträgers EFKA zeigt die Ausmaße des Problems: Ein 24-jähriger erhält heute im Durchschnitt einen Lohn von 380 Euro, während ein 18-jähriger nur 265 Euro verdient. Zum Vergleich: 2009 verdienten die 18-jährigen noch 548 Euro, was heißt, dass sie fast die Hälfte ihres Lohns eingebüßt haben. Bei der Altersgruppe der 25- bis 29-jährigen ist es knapp ein Drittel. Die jungen Menschen sehen in dieser Entwicklung die praktischen Folgen der Krise, und solange sich die Situation nicht verbessert, werden sie bei dieser Ansicht bleiben. 

*Quelle: TUI Stiftung, TUI Survey 2017

 

Ähnliche Artikel

Send - Briefe über Europa

Ausgabe II/2017, Breaking News, Annika Reich, Zeruya Shalev

Was soll bloß aus Europa werden? Ein Briefwechsel zwischen Annika Reich und Zeruya Shalev über Radikalisierung, Nationalismus und die bröckelnde Vision eines europäischen Kulturraums

mehr


„Gerüchte zur Frauenkontrolle“

Ausgabe I/2007, Was vom Krieg übrig bleibt, Susanne Fischer

Die deutsche Journalistin Susanne Fischer über ihr Leben in einer Wohngemeinschaft in Bagdad.

mehr


Euro-Islamischer Dialog

Ausgabe I/2010, Großbritannien, Gudrun Czekalla

Der Band dokumentiert die Beiträge des Workshops, den der Wissenschaftliche Initiativkreis Kultur und Außenpolitik (WIKA) gemeinsam mit der Universität Karlsruh... mehr


Editorial

Ausgabe III/2016, Das neue Italien, Jenny Friedrich-Freksa

Italien ist das schönste Land der Welt. Die Italiener wissen das seit Langem, die meisten Menschen ahnen es – ich habe es verstanden, als ich einmal für ein paa... mehr


Feindbilder

Ausgabe II/2009, Treffen sich zwei. Westen und Islam, Gudrun Czekalla

Inwieweit haben sich trotz aller Fortschritte in der europäischen Einigung Feindbilder in Europa erhalten? Wie kann man ihnen entgegenwirken? Welche Lehren lass... mehr


Bye Bye Britain

Ausgabe I/2019, Oben, Jess Smee

Mit Songs, Skulpturen und Installationen leisten britische Künstler Widerstand gegen den Austritt ihres Landes aus der Europäischen Union

mehr