Mexiko: Totenwächter und Schönheitskönig

Francisco Méndez, Ausgabe II/2016, Neuland



 



Wenn die Azteken über die Stunde ihres Todes eines wussten, dann dass sie ihre letzte Reise nicht allein, sondern in Begleitung antreten würden. Ein Hund würde ihre Seele bis zum Eintritt in die Unterwelt bewachen. Die Rede ist vom Xoloitzcuintle, dem Mexikanischen Nackthund. Im Totenkult der Azteken kam der Rasse, die es schon seit sieben Millionen Jahren gibt, eine beinahe religiöse Bedeutung zu –  auch wenn man bei einer Opferung hin und wieder ein Exemplar verspeiste. Die Azteken glaubten auch, dass der Xoloitzcuintle alles Übel heilen könne. Kranke schliefen mit ihm in einem Bett und drückten ihn an sich, um auf magische Weise Schmerzen zu lindern. Das wurde den Tieren später beinahe zum Verhängnis: Als sich die Konquistadoren ihrer Wichtigkeit für den aztekischen Glauben bewusst wurden, versuchten sie, die Rasse auszurotten. Das gelang allerdings nicht, und so kann man den Xoloitzcuintle heute vor allem bei Hundewettbewerben bewundern: Was den Tieren im Altertum noch wenig schmeichelhafte Spitznamen wie „Zwergpferde“, „Narren“ und „Entstellte“ einbrachte, nämlich ihre haarlose und faltige Haut, ist zum Schönheitsideal geworden. Sie glänzt wie Bronze, was den Xoloitzcuintles auf den ersten Blick ein beinahe statuenhaftes Aussehen verleiht. Bekannt sind die Hunde heute übrigens auch als Wappentier der „Xolos“, eines mexikanischen Fußballteams aus Tijuana.

Francisco Alejandro Méndez ist Schriftsteller und Hundezüchter. Er lebt in Guatemala-Stadt.

 

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