Spanien: Tafelrunde

Andoni Luis Aduriz, Ausgabe II/2016, Neuland






Ich glaube, dass jedes Essen einen Rhythmus hat, der sich von Land zu Land unterscheidet. In Spanien ist dieser Rhythmus ein von jeher entspannter: Wir essen nicht um des Essens willen, sondern um in Gesellschaft zu sein. Daher rührt auch die Tradition der "sobremesa", was wörtlich übersetzt "über den Tisch" bedeutet, aber eigentlich das "Tischgespräch" meint. Die sobremesa beginnt nach dem Mittag- oder Abendessen und dauert zwischen einer halben und einer Stunde. Bei Obst, Kaffee oder Zigarre diskutiert man über Gott und die Welt, oft auch über den Job. Darum bekommt man in Spanien auch nie ungefragt die Rechnung - der Gastwirt weiß, dass im Laufe der sobremesa noch nachbestellt wird. Die deutschen Gäste in meinem Restaurant machen das meist anders. Sie reden gerne während des Essens und sind danach umso schneller weg. Sie haben sozusagen eine integrierte sobremesa. Für viele Spanier wäre das unvorstellbar.

Andoni Luis Aduriz ist Koch. Sein Zweisternerestaurant „Mugaritz“ in San Sebástian zählt zu den besten der Welt.

 

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