">

Wipfelstürmer

Petr Jahoda, Ausgabe II/2016, Neuland






In luftiger Höhe thront dieses Haus über dem indonesischen Regenwald. Es gehört einer Familie der Korowai – das sind Waldnomaden, die in der Provinz Papua leben. Die Korowai wurden erst 1978 entdeckt und mit ihnen die einzigartige Bauart ihrer Häuser. Diese werden zwischen zwölf und fünfzig Meter hoch in die Baumkronen gebaut. Das hat zwei Gründe: Zum einen gibt es dort oben keine Malaria verbreitenden Moskitos, zum anderen kommt kein Feind unbemerkt hinauf – weder Mensch noch Tier. Zur Haustür führt nur eine wacklige Leiter. Trotzdem schaffen es die Korowai sowohl  ihre Babys als auch Hunde und sogar Schweine hochzubefördern. Das abgebildete Haus beherbergt insgesamt sieben Menschen, den Familienvater, seine zwei Frauen und vier Kinder. Bald wird die Großfamilie ausziehen und ein neues Heim bauen, denn Korowai-Baumhäuser haben keine lange Lebensdauer. Im feuchten Äquatorialklima fault das Holz schnell. Wie alt ein Haus ist, kann man gut an der Zahl der Tierknochen erkennen, mit denen die Innenwände dekoriert sind: Je mehr Knochen, desto mehr gemeinsame Mahlzeiten wurden hier verzehrt. In jedem der drei Räume des Hauses gibt es eine Feuerstelle, die nachts Wärme spendet. Das ist auch nötig, denn die Korowai schlafen bis heute traditionell ohne Decken.

Petr Jahoda ist Fotograf. Er lebt in Brünn, Tschechien.

 

Ähnliche Artikel

Verbotene Lüste

Ausgabe I/2017, Rausch, Laksmi Pamuntjak

Pilgerreisen und Gebete, Swingerclubs und Orgien – in Jakarta zeigt sich: Je restriktiver die Gesellschaft, desto wichtiger der Rausch

mehr


Unsichtbare Schätze

Ausgabe I/2009, Menschen von morgen, Christine Müller

Die UNESCO schützt nun auch immaterielles Kulturerbe. Eine Auswahl

mehr


17.000 Inseln

Ausgabe II/2014, Inseln. Von Albträumen und Sehnsüchten, Wicaksono Adi

Wie funktioniert ein Staat, der sich über eine riesige Fläche im Meer erstreckt?

mehr


Öffentliche Kanäle, private Interessen

Ausgabe II/2017, Breaking News, Ucu Agustin

Wie Medienbosse in Indonesien die Berichterstattung prägen

mehr


Die größten Moscheen Indonesiens

Ausgabe II/2015, Wir haben Zeit. Ein Heft über Langsamkeit

1. Istiqlal-Moschee, Jakarta, 200.000 Plätze 2. Al-Akhbar-Moschee , Surabaya, 60.000 Plätze             3. At-Tiin-Moschee, Jakarta Timur, 25.850 Pätze  4.... mehr


Land ohne Vergangenheit

Ausgabe III/2015, Russland, Holger Heimann

1998 endete in Indonesien die Diktatur. Leila Chudori erzählt von heimatlosen Exilanten – und davon, wie die Indonesier mit ihrer Geschichte umgehen

mehr