Die höchsten moralischen Instanzen der Briten

Ausgabe III/2015, Russland



1 Die Queen, Erste Frau im Staat,34 Prozent

2 William & Kate, Prinzenpaar,30 Prozent

3 Malala Yousafzai, Friedensnobelpreisträgerin, 19 Prozent

4 Justin Welby, Erzbischof von Canterbury,15 Prozent

5 David Cameron, Premierminister, 8 Prozent

6 Caroline Lucas, Politikerin, 8 Prozent

7 Prinz Charles, Thronfolger, 8 Prozent

8 Judi Dench, Schauspielerin, 8 Prozent

9 David Beckham, Exfußballer, 7 Prozent

10 Nigel Farage, Politiker, 6 Prozent

11 Ian McKellen, Schauspieler, 6 Prozent

12 Joanne K. Rowling, Schriftstellerin, 6 Prozent

13 Mo Farah, Leichtathlet, 6 Prozent

Die Queen

Was sie uns vorlebt, ist: „Keep calm and carry on“ („Ruhig bleiben und weitermachen“), ein Slogan aus Kriegszeiten, der im ganzen Land auf Bechern und Geschirrtüchern prangt. Abgesehen von einem kleinen Anflug von Panik, als Prinzessin Diana starb, bewahrt die Queen seit über sechzig Jahren die Ruhe, winkt in die Menge, überlebt die Premierminister und ist einfach da. Ihre Ruhe überträgt sich auf das Land. Wenn sie stirbt, werden die Briten sich führungslos fühlen. Zum Glück stehen Kate und William in diesem Ranking schon auf dem zweiten Platz. Alles kann ruhig seinen Gang gehen.

Mala Yousafazi

Hier zeigt sich, dass diese Befragung direkt nach der Vergabe des Friedensnobelpreises an die pakistanische Kinderrechtsaktivistin stattfand. Malala Yousafzai lebt seit einem Mordanschlag durch die Taliban 2012 in Großbritannien. Mit 19 Prozent der Stimmen vertrauen die Briten bei moralischen Fragen damit mehr der jungen Muslimin als dem derzeitigen geistlichen Oberhaupt der Kirche von England, Justin Welby. Würde man die Umfrage heute allerdings wiederholen, würde die junge Frau vielleicht von anderen wie dem Exfußballer David Beckham überflügelt werden.

Nigel Farage

Der Vorsitzende der rechtspopulistischen Partei Ukip ist immer für eine Schlagzeile gut: Als er bei der Parlamentswahl im Mai seinen Wahlkreis Thanet South verlor, legte er sein Amt nieder – und trat kurz darauf vom Rücktritt zurück. Bei der Umfrage zu den moralischen Instanzen erhielt Farage sechs Prozent der Stimmen, wohl von Menschen, die glauben, dass Großbritanniens Kliniken, Baustellen und Fabriken auf Immigranten verzichten können. Farage gewann auch das Ranking der „schlechtesten moralischen Instanzen“. Und die Moral der Geschichte? Es gibt noch Hoffnung für die Briten.

 

 



Zusammengestellt von Stephen Clarke.

Er ist ein britischer Autor und lebt in Paris.

 

Ähnliche Artikel

Ein Königreich für einen Scherz

Ausgabe I/2010, Großbritannien, Tony Hawks

Warum Briten ohne Witze weder leben noch sterben wollen

mehr


Frisches Blut

Ausgabe II+III/2011, What? Wie wir fremde Sprachen übersetzen, Iain Galbraith

Wie die Kulturen an den Rändern Großbritanniens auf die englische Literatur einwirken

mehr


Die Macht der Moral

Ausgabe III/2014, Iraner erzählen von Iran, Nasser Fakouhi

Die Kluft zwischen Arm und Reich in Iran wächst. Auf Dauer kann das nicht gut gehen 

mehr


Gurken auf gebuttertem Weißbrot

Ausgabe I/2010, Großbritannien, Timothy W. Donohoe

Eine Liebeserklärung an die englische Küche

mehr


Kontrollverlust

Ausgabe IV/2007, Frauen, wie geht's?, Zebunnisa Hamid

Wie sich in Pakistan die Beziehungen zwischen Regierung und Medien wandeln

mehr


Mind the Gap

Ausgabe I/2010, Großbritannien, Diane Reay

In Großbritannien bleibt Bildung eine Frage von Herkunft und Hautfarbe

mehr