Francisco Méndez über das Teatro Nacional in Guatemala

Francisco Méndez, Ausgabe III/2015, Russland



Wenn ich in meiner Redaktion aus dem Fenster schaue, fällt mein Blick auf ein einzigartiges Gebäude: das Gran Teatro, das wie ein Solitär über dem historischen Zentrum von Guatemala-Stadt thront.

Errichtet wurde das Theater mit dem Großen Saal und dem Kammersaal auf einem Hügel, auf dem in der spanischen Kolonialzeit ein ­Kastell stand. Das Gran Teatro ist das Werk eines der bedeutendsten Bildenden Künstler Zentralamerikas, Efraín Recinos. Von 1961 bis 1978 dauerte der Bau des Theaters, unterbrochen von einem Staatsstreich. Recinos wollte ein Gebäude schaffen, das zu hundert Prozent guatemaltekisch sein sollte: Deshalb bezog er Elemente der Maya-Kultur mit ein – die Treppen des Theaters ähneln den Freitreppen der Maya-Tempel und die Balkone haben die Form riesiger Jaguarköpfe. Das Gebäude fügt sich harmonisch in die Umgebung ein: Recinos wählte die Farbe Weiß und Blautöne für die Fassade, die direkt in den Himmel übergeht. Auch richtete er den Grundriss so aus, dass das Theater niemals die Sicht auf die imposanten Vulkane, die die Hauptstadt Guatemalas umzingeln, versperrt. Ein Blick auf dieses Gebäude, und ich fühle mich wieder inspiriert für den nächsten Artikel.


Aus dem Spanischen von Timo Berger

 

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