Kaffeepause

Neven Suboti?, Ausgabe II/2015, Wir haben Zeit. Ein Heft über Langsamkeit



2013 habe ich eine Stiftung gegründet, für die ich im vergangenen Sommer in den Norden Äthiopiens reiste. In der Region Tigray unterstützten wir den Bau von fünf Brunnen. Die Menschen, die ich dort traf, waren sehr gastfreundlich. Mehrmals luden sie mich zu einer Kaffeezeremonie ein. Egal wie anstrengend ihr Tag auch ist, sie nehmen sich trotzdem immer die Zeit für einen Kaffee: Die Frau des Hauses legt Eukalyptusblätter auf den Fußboden, der meist nur aus Erde besteht. Die Blätter verhindern, dass Dreck an die Tassen kommt. Während man sich unterhält, schürt die Frau ein Feuer. Rohe Kaffeebohnen werden in einer Pfanne geröstet und mit einem Stößel zermahlen. Dann wird Wasser aufgesetzt und das Kaffeepulver darin verrührt. Mehrmals wird geprüft, ob es sich vollständig aufgelöst hat. Am Ende erhält man zwar nur wenig Kaffee, er ist aber extrem stark und lecker. Man trinkt ihn ohne Milch und oft mit viel Zucker. Wenn man sieht, wie viel Anstrengung und Zeit die Zubereitung kos­tet, bekommt man ein ganz anderes Verhältnis zum Kaffee.

 

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