Äthiopien - Die Hütte schrumpft

Kai Schnier, Ausgabe IV/2014, Kauf ich. Ein Heft über Konsum



In den Ausläufern des äthiopischen Guge-Gebirges, nahe der Stadt Arba Minch, steht diese Hütte. Sie gehört zum 10.000-Seelen-Dorf Chencha, der Heimat der Dorze. Die Dorze sind eines von mehr als achtzig in Äthiopien beheimateten Völkern und für ihre wie Bienenstöcke geformten Hütten bekannt. Diese Hütte, in der heute der Farmer Getu Abebe mit sechs Verwandten wohnt, ist bereits neunzig Jahre alt. Sie besteht aus einem Holzgerüst, Bambusfasern und den Blättern des Ensete-Baumes, der aufgrund seiner Ähnlichkeit mit Bananenpf lanzen auch „falsche Banane“ genannt wird. Über die Jahre werden Dorze-Hütten merklich kleiner (siehe oben). Termiten fressen sie regelrecht von unten auf. Ältere, geschrumpfte Hütten werden dann als Lager- oder Kochhäuser benutzt. Im Inneren von Getu Abebes Hütte befindet sich ein großer Aufenthaltsraum mit einem Feuerplatz und einigen ziegenlederbezogenen Stühlen. An den geflochtenen Stellwänden hängen Wasserkrüge und selbst gewobene Körbe, die Abebes Familie in den umliegenden Städten verkauft. Hinter einer Wand stehen mehrere hölzerne Betten, hinter einer anderen eine Kuh. Sie heizt die auf 2.700 Höhenmetern gelegene Hütte nachts mit ihrer Körperwärme.

 

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