Attention, please

Jenny Friedrich-Freksa, Ausgabe IV/2010, Das Deutsche in der Welt



In Besuchsprogrammen für Journalisten stellen Staaten ihre Vorzüge dar: Wie sich Dänemark und Deutschland präsentieren

Journalisten reisen gern. Sich vor Ort ein Bild zu machen, ist etwas anderes, als Interviews am Telefon zu führen oder sich die Welt im Internet anzusehen. Doch haben die meisten Redaktionen nur noch wenig Geld, um ihre Mitarbeiter in ferne Länder zu schicken. Umso beliebter wird eine kostengünstige Form der Recherchereise: Besuchsprogramme für Journalisten, von Staatsregierungen finanziert. 


Im Juli 2010 fand eine solches Programm für ausländische Journalisten in Deutschland und Dänemark statt, gemeinsam finanziert vom Auswärtigen Amt, dem Goethe-Institut sowie dem dänischen Außenministerium, dem Kultusministerium und der Dänischen Botschaft Berlin. Die Teilnehmer der Reise sind eine bunte internationale Truppe: eine Reporterin aus Seoul, ein Redakteur aus Tokio, eine Wirtschaftsjournalistin aus Buenos Aires, aber auch ein Vertreter des staatlichen Design Center in Bangkok, eine Architektin aus dem chinesischen Guangzhou und ein griechischer Galerist.


Die Reise führt eine Woche lang durch Deutschland, von Leipzig über Berlin und Hamburg nach Sylt, von dort weiter nach Tonder und schließlich nach Kopenhagen. Inhaltlicher Schwerpunkt ist die sogenannte Kreativwirtschaft, genauer: Design. In Deutschland wird Porsche und das Bauhaus-Archiv besichtigt, ebenso das Café Sankt Oberholz in Berlin – in dem sich angeblich die digitale Bohème aufhält –, die Hamburger HafenCity und Dittmeyer’s Austern-Compagnie auf Sylt. Dänemark trumpft auf mit dem von Design-ikone Arne Jacobsen ausgestatteten Restaurant „Jacobsen“ in Klampenborg an der dänischen Küste, dem Dansk Design Center und mit den Showroom-Lofts dänischer Möbelherstellernin Kopenhagen, die am Wasser, gleich um die Ecke zur kleinen Meerjungfrau, residieren. Die Reiseteilnehmer geben sich weltoffen – of course –, dennoch bleiben auch hier kulturelle Klischees nicht aus. Wenn die Europäer im Showroom einen Designerstuhl fotografieren, ist das journalistische Arbeit, machen die Chinesen eine Aufnahme, wird über Werksspionage gemutmaßt. Unisono wird das Programm gelobt: „... sehr interessante Fachleute ... tolle Orte ... und alles so gut organisiert.“ Noch Tage nach dem Berlin-Aufenthalt wird von Boris und Tina geschwärmt, den Betreuern vom Goethe-Institut, die die Gruppe durch Berlin geführt haben. So nett seien die gewesen und hätten sich so gut ausgekannt. 


Rund 3,8 Millionen Euro gibt das Auswärtige Amt nach eigenen Angaben 2010 aus, um „publizistisch und kulturpolitisch wichtige Persönlichkeiten des Auslands“ in die Bundesrepublik einzuladen, über 1.000 sind es pro Jahr. Zum Vergleich: Die Dänen lassen sich Journalistenreisen etwa 295.000 Euro im Jahr kosten. Noch relativ neu ist die Idee des Außenministeriums, Besuchsprogramme bilateral zu veranstalten, das heißt zusammen mit einem europäischen Partnerland Besucher einzuladen. Mit der Schweiz hat man im vergangenen Jahr begonnen, dieses Jahr wird mit Dänemark ko-operiert, Frankreich steht auf der Wunschliste für eins der nächsten Jahre. „Wir denken, dass Länderkooperationen die Möglichkeit bieten, deutsche Standards und Leistungen besser vergleichen zu können“, sagt Klaus Schmidt, Leiter des zuständigen Referats „Kommunikation Ausland“. Gerne präsentiert man sich mit angesehenen europäischen Nachbarn der ferneren Welt. Angst, im Vergleich zum anderen Gastgeber eventuell schlechter abzuschneiden, hat man nicht. Schmidt: „Wir können da gut mithalten.“ Und natürlich bieten Kooperationen dieser Art die Möglichkeit, gemeinsam Kosten zu sparen. 


Die internationalen Gäste, eine Woche lang ausführlich über deutsches und dänisches Design informiert, haben ihre eigenen Vorstellungen: „Deutschland ist berühmt für Qualität, nicht für Design“, sagt Kittiratana Pitipanich aus Bangkok und Kriston Capps, Kunstkritiker aus Washington, findet, „die Dänen sind entspannter als die Deutschen.“ Den Begriff der „creative industries“, der Kreativwirtschaft, unter dem die Reise stattfindet, mag kaum ein Teilnehmer selbst verwenden.


Ob der Botschafter beim Abendessen interessante Dinge sagt, interessiert viel mehr, überhaupt die Menschen: Was von Deutschland freundlich haften bleibt, sind möglicherweise nicht die Sylter Austern, sondern Boris und Tina vom Goethe-Institut.

 

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